„Weltmarktführer im Regulieren“ kostet Wachstum
Bill Anderson, seit 2023 Vorstandsvorsitzender bei Bayer, sieht europäische Unternehmen in einer globalen Wirtschaft benachteiligt. In Europa werde zu viel über Regulierung und die Absicherung des Bestehenden gesprochen. „Der Titel des Weltmarktführers im Regulieren schafft keine Wertschöpfung und keinen Wohlstand“, betonte Anderson im Gespräch mit dem „Focus“.
Besorgt zeigt sich der Manager angesichts der Debatte um Künstliche Intelligenz. Der „Reflex“, fast jede Eventualität sofort gesetzlich regeln zu wollen, sei kontraproduktiv. „Dass man zum Beispiel nicht stehlen oder betrügen darf, ist doch gesetzlich bereits hinreichend geregelt“, merkte Anderson an.
Europa muss handeln
Er fordert eine Neuausrichtung Europas in der multipolaren Welt. Es brauche „Klarheit und den Willen, wirklich etwas verändern zu wollen“. Andernorts stünden die globale Führungsrolle und wirtschaftliche Dynamik im Vordergrund.
Anderson räumte ein, dass auch Bayer selbst seine internen Prozesse verschlankt habe. Nach seinem Amtsantritt 2023 seien rund zwei Drittel der Managementpositionen gestrichen worden. Die ehemaligen Manager konzentrierten sich nun darauf, „bessere Produkte und Lösungen für unsere Kunden zu entwickeln, statt Reisekostenabrechnungen freizugeben oder die Arbeit des Teams zu kontrollieren“.