Ab September gibt es 200 Euro pro entferntem Sekundärnest
Bis einschließlich August 2026 wird die Entfernung von Nestern der Asiatischen Hornisse in Baden-Württemberg mit 60 Euro je entferntem Nest bezuschusst. Ab September erhöht das Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat die Pauschale für entfernte Sekundärnester auf 200 Euro.
Dahinter steckt ein praktisches Problem: Im Laufe des Sommers verändert sich die Lebensweise der Völker. Primärnester werden häufig noch bis August gefunden. Anschließend entstehen beziehungsweise beziehen die Tiere ihre größeren Sekundärnester, die meist wesentlich schwieriger zu erreichen sind. Sie befinden sich häufig hoch in Baumkronen und lassen sich deshalb auch schwerer entdecken.
Das Land will mit der höheren Pauschale dafür sorgen, dass sich die Entfernung solcher Nester für qualifizierte Fachkräfte weiterhin durchführen lässt. Gefördert wird das Vorhaben über ein Projekt des Landesverbands Badischer Imker e.V..
Das müssen Haus- und Grundstückseigentümer wissen
Wichtig ist die Förderung vor allem für Menschen, die ein Nest auf dem eigenen Grundstück entdecken. Die 200 Euro werden nicht einfach an Privatpersonen ausgezahlt. Die Förderung richtet sich an qualifizierte und bei der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim registrierte Nestentferner beziehungsweise Schädlingsbekämpfer.
Nimmt der beauftragte Fachmann an dem Förderprogramm teil, darf dem Auftraggeber nach Angaben des Landes keine Rechnung für die geförderte Nestentfernung gestellt werden. Eigentümer sollten deshalb bereits vor der Beauftragung klären, ob der jeweilige Nestentferner am Programm teilnimmt.
Die Universität Hohenheim führt inzwischen eine aktuelle Liste qualifizierter Nestentferner. Bei hochhängenden Sekundärnestern ist besonders darauf zu achten, dass die ausgewählte Person über die dafür notwendige Ausrüstung verfügt. Die Landesanstalt weist in ihrer Liste ausdrücklich darauf hin, welche Fachkräfte solche Einsätze übernehmen können.
Warum Sekundärnester schwieriger zu entfernen sind
Die Entwicklung eines Volkes beginnt im Frühjahr wesentlich unscheinbarer. Junge Königinnen bauen zunächst kleine Primär- beziehungsweise Gründungsnester. Mit zunehmender Zahl der Arbeiterinnen wächst das Volk. Im Spätsommer können die Völker der Asiatischen Hornisse nach Angaben des baden-württembergischen Umweltministeriums eine Größe von bis zu 2.000 Tieren erreichen.
Die größeren Sekundärnester entstehen häufig in beträchtlicher Höhe. Während kleinere Gründungsnester beispielsweise vergleichsweise niedrig an Gebäuden oder geschützten Stellen entdeckt werden können, hängen Sekundärnester oftmals in Baumkronen. Genau deshalb wird die Entfernung aufwendiger und erfordert entsprechend geschulte Personen und spezielle Ausrüstung.
Das erklärt auch den deutlichen Sprung bei der Förderpauschale: von bislang 60 Euro auf 200 Euro für Sekundärnester ab September.
Baden-Württemberg gehört zu den besonders betroffenen Ländern
Die Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt. Rund 3.300 Nester der Asiatischen Hornisse wurden 2025 allein in Baden-Württemberg gemeldet. Das waren mehr als doppelt so viele wie ein Jahr zuvor. Seit 2023 verzeichnet das Land eine besonders starke Ausbreitung.
Die Art stammt ursprünglich aus Südostasien. In Europa wurde sie erstmals 2004 im Süden Frankreichs nachgewiesen und vermutlich unbeabsichtigt über eine Warenlieferung eingeschleppt. Von dort breitete sie sich über große Teile Westeuropas aus. In Deutschland wurde die Asiatische Hornisse erstmals 2014 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nachgewiesen.
InsideBW hat die Entwicklung bereits mehrfach begleitet. In unserem Hintergrundbericht „Bienenkiller auf dem Vormarsch – Asiatische Hornisse jetzt in ganz Deutschland weit verbreitet“ zeigen wir, wie stark sich die Situation innerhalb weniger Jahre verändert hat.
Gefahr vor allem für Imkerei, Obst- und Weinbau
Die Asiatische Hornisse ernährt sich von verschiedenen Insekten und Spinnentieren sowie von zuckerhaltiger Nahrung. Besonders problematisch wird ihre Anwesenheit für Bienenvölker im Spätsommer, wenn die Hornissenvölker ihre maximale Größe erreichen. Dann können Honigbienen einen großen Teil ihrer Beute ausmachen. Vor allem bereits geschwächte Bienenvölker können dadurch zusätzlich belastet werden.
Auch im Obst- und Weinbau können Probleme entstehen. Das Umweltministerium nennt unter anderem Fraßschäden sowie mögliche Stiche bei Erntearbeiten als Auswirkungen. Staatssekretärin Sarah Schweizer bezeichnet die invasive Art deshalb als zunehmende Gefahr für Imkerei, Obst- und Weinbau.
Weitere Informationen zur Staatssekretärin bietet das Land auf der Seite zu Sarah Schweizer.
Warum das Land die Nester weiter entfernen lassen will
Die höhere Förderung ist Teil eines größeren Projekts. Ziel ist nicht allein die Beseitigung einzelner Nester. Über ein begleitendes Monitoring soll untersucht werden, ob konsequente Nestentfernungen die Fortpflanzung und weitere Ausbreitung der Asiatischen Hornisse wirksam reduzieren können.
Dabei arbeitet das Landwirtschaftsministerium mit Imkerverbänden und der Landesanstalt für Bienenkunde zusammen. Gleichzeitig sollen weitere Fachkräfte ausgebildet werden. Schon 2025 war die Zahl der geschulten und registrierten Nestentferner innerhalb weniger Monate deutlich erhöht worden. Anfang 2026 berichtete das Land von einem Ausbau von 40 auf 205 geschulte und registrierte Personen im zweiten Quartal 2025.
Das ist wichtig, weil insbesondere für hoch liegende Sekundärnester nicht jede Person aus der allgemeinen Schädlingsbekämpfung automatisch die nötige Ausstattung besitzt.
Die Regeln haben sich seit 2025 geändert
Bei der Asiatischen Hornisse hat sich auch die rechtliche Ausgangslage verändert. Das Bundesumweltministerium stufte die Art Ende März 2025 in Deutschland als „weit verbreitet“ ein. Dadurch entfiel die zuvor bestehende generelle Beseitigungsverpflichtung. Stattdessen gilt ein Managementansatz.
Der Naturschutz übernimmt eine Nestentfernung deshalb grundsätzlich nur noch dann, wenn ein konkreter Schaden für die biologische Vielfalt droht. Nach Einschätzung des Landes ist dies in aller Regel nicht gegeben. Ohne zusätzliche Förderprogramme könnten Betroffene die Entfernung deshalb grundsätzlich selbst organisieren und bezahlen müssen.
Genau hier setzt die aktuelle Förderung des Landwirtschaftsministeriums an: Qualifizierte Fachkräfte können die Pauschale erhalten und die Entfernung im Rahmen des Programms für den Auftraggeber kostenfrei durchführen. Ob das im konkreten Fall möglich ist, sollte jedoch vor Auftragserteilung geklärt werden.
Asiatische Hornisse entdeckt? Nicht einfach selbst entfernen
Wer eine verdächtige Hornisse oder ein Nest entdeckt, sollte zunächst dokumentieren und melden, statt selbst einzugreifen. Die Universität Hohenheim verlangt für eine Meldung einen Fotonachweis, damit die Art verifiziert werden kann. Das ist auch deshalb wichtig, weil eine Verwechslung mit anderen Wespen- und Hornissenarten möglich ist.
Sichtungen können über die offizielle Meldeplattform Asiatische Hornisse der LUBW oder über die App „Meine Umwelt“ gemeldet werden. Relevant sind sowohl einzelne Tiere als auch komplette Nester. Bei einer Nestmeldung sollte nach Möglichkeit auch ein Tier auf dem Foto erkennbar sein.
Von eigenständigen Entfernungsversuchen ist abzuraten. Das Land hatte bereits zu Beginn der Saison ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Nestentfernungen wegen möglicher Stichereignisse durch Fachleute erfolgen sollten.
Nicht jede Hornisse ist eine Asiatische Hornisse
Die invasive Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) darf nicht mit der heimischen Europäischen Hornisse verwechselt werden. Gerade deshalb spielt die Verifizierung durch Fachstellen eine wichtige Rolle.
Die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim koordiniert seit März 2024 im Auftrag der Naturschutz- und Landwirtschaftsverwaltung zentrale Aufgaben rund um die Asiatische Hornisse. Sie unterstützt unter anderem bei der Überprüfung von Meldungen, der Koordination von Nestentfernern und der Information der Bevölkerung.
Wer sich bei der Bestimmung unsicher ist, sollte daher zunächst Fotos anfertigen und die Meldestelle entscheiden lassen, ob tatsächlich die invasive Art vorliegt.
Für Imker kann der Herbst besonders kritisch werden
Für Imkerinnen und Imker ist die Entwicklung der großen Völker im Spätsommer besonders relevant. Zu dieser Jahreszeit steigt der Nahrungsbedarf stark an, gleichzeitig können Honigbienen zu einer wichtigen Beute der Asiatischen Hornisse werden.
Wer vermutet, dass eigene Bienenvölker durch Asiatische Hornissen geschädigt wurden, kann den Bienengesundheitsdienst einschalten. Ein entsprechendes Formular zur Verlustmeldung steht beim Landesverband Badischer Imker als PDF bereit. Genannt werden dafür der Bienengesundheitsdienst beim CVUA Freiburg beziehungsweise Aulendorf.
Für die Behörden ist die Dokumentation solcher Fälle zusätzlich wichtig, um besser abschätzen zu können, welche Auswirkungen die weitere Ausbreitung tatsächlich auf die Imkerei hat.
Was Betroffene jetzt konkret tun sollten
Wer ein mögliches Nest entdeckt, sollte zunächst Abstand halten, ein Foto aus sicherer Entfernung aufnehmen und den Fund über die offizielle Meldeplattform einreichen. Nach der Bestätigung kann ein qualifizierter Nestentferner gesucht werden. Dabei sollte ausdrücklich gefragt werden, ob dieser am Förderprojekt teilnimmt und die Entfernung deshalb für den Auftraggeber kostenfrei durchgeführt werden kann.
Bei hoch in einem Baum hängenden Sekundärnestern sollten ausschließlich Fachkräfte beauftragt werden, die laut Universität Hohenheim für solche Einsätze ausgerüstet sind. Die aktuelle Liste der Nestentferner weist entsprechende Qualifikationen aus.
Ein eigenmächtiges Entfernen, Besprühen oder Manipulieren eines Nestes ist dagegen keine sinnvolle Alternative. Neben der Verwechslungsgefahr kann eine solche Aktion Menschen in unmittelbarer Umgebung unnötig gefährden.
Ab September beginnt die besonders wichtige Phase
Die zeitliche Staffelung der Förderung orientiert sich direkt am Lebenszyklus der Hornissen. Noch im August werden vielfach Primärnester gefunden. Danach treten die großen und meist schwer zugänglichen Sekundärnester stärker in den Vordergrund.
Mit der Anhebung auf 200 Euro will das Land den finanziellen Anreiz gerade in dieser arbeitsintensiveren Phase erhalten. Gleichzeitig soll die Bevölkerung aufmerksam bleiben, denn ein hoch im Blätterdach verborgenes Nest ist wesentlich schwieriger zu entdecken als ein kleines Nest an einem Gebäude.
Staatssekretärin Schweizer fasst die Strategie so zusammen: „Der Kampf gegen diese invasive Art kann nur gemeinsam mit unseren Imkerinnen und Imkern, qualifizierten Nestentfernern und einer aufmerksamen Bevölkerung gelingen.“
Förderung 2026 im Überblick
| Zeitraum | Geförderte Entfernung | Pauschale |
|---|---|---|
| bis einschließlich August 2026 | Nestentfernung im Förderprogramm | 60 Euro je Nest |
| ab September 2026 | Entfernung von Sekundärnestern | 200 Euro je Nest |
Die Förderung richtet sich an qualifizierte, registrierte Nestentferner beziehungsweise Schädlingsbekämpfer. Bei Inanspruchnahme der Förderung darf dem Auftraggeber nach Angaben des Landes keine Rechnung gestellt werden.
Die wichtigsten Links für Betroffene
Die vom Land genannten Informations- und Meldemöglichkeiten:




