Zum Hauptinhalt springen
EU-Forschungsprojekt ResPECT

15,8 Millionen Euro: Heidelberg entwickelt KI-Agent für Brustkrebs und Depression

Heidelberg übernimmt die Leitung eines europäischen KI-Projekts für die Versorgung von Menschen mit Brustkrebs und Depressionen. Der geplante Assistent soll Belastungen aus freien Schilderungen erkennen und Behandlungsteams strukturiert informieren – bevor das funktioniert, stehen jedoch vier Jahre Entwicklung und klinische Prüfung an.

15,8 Millionen Euro: Heidelberg entwickelt KI-Agent für Brustkrebs und Depression
Das Heidelberger Forschungsprojekt ResPECT soll einen KI-Assistenten für Patientenerfahrungen entwickeln.
Foto: insideBW.de / KI

15,8 Millionen Euro für vier Jahre Entwicklung

Das Universitätsklinikum Heidelberg und die Medizinische Fakultät koordinieren seit dem 1. Oktober 2026 den europäischen Forschungsverbund „ResPECT“. Die EU stellt über Horizon Europe rund 15,8 Millionen Euro bereit. Knapp ein Drittel der Summe entfällt nach Angaben des Klinikums auf die Heidelberger Partner.

Das Projekt bringt Einrichtungen aus elf europäischen Ländern zusammen. In Heidelberg arbeiten neben Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät auch die Klinik St. Elisabeth und der Verein Gemeinsam gegen Brustkrebs mit. Der Verbund ist auf vier Jahre angelegt.

Freie Schilderungen sollen zu verwertbaren Informationen werden

Patientinnen und Patienten sollen dem geplanten Assistenten ihr Befinden schriftlich oder per Spracheingabe schildern können – in freier Form und in ihrer Muttersprache. Die KI soll daraus Hinweise auf körperliche, psychische und soziale Belastungen ableiten. Gedacht ist etwa an Nebenwirkungen, Erschöpfung, Ängste oder Probleme im Alltag.

Diese Angaben sollen mit Diagnose, Therapieverlauf, Medikation und medizinischen Leitlinien verknüpft werden. Patientinnen und Patienten sollen eine verständliche Rückmeldung erhalten; Behandlungsteams eine strukturierte Zusammenfassung für die Patientenakte. Ziel ist nicht nur, Symptome zu erfassen, sondern auch pflegerischen, psychoonkologischen oder sozialen Unterstützungsbedarf früher sichtbar zu machen.

Besonders sensibel sind Situationen wie Suizidgedanken oder Fieber unter einer Chemotherapie. Hier muss das System Dringlichkeit zuverlässig erkennen und Rückfragen auslösen können. Genau daran zeigt sich zugleich die zentrale Hürde: Fehler oder missverständliche Empfehlungen hätten in solchen Fällen unmittelbare Folgen.

Erste Tests bei Brustkrebs und Depressionen

Entwickelt und wissenschaftlich geprüft wird ResPECT zunächst für zwei Gruppen: Brustkrebspatientinnen sowie Menschen mit Depressionen. Für beide Erkrankungen gibt es etablierte Leitlinien und umfangreiches Fachwissen, an denen die Antworten des Systems überprüft werden können.

Die Klinik St. Elisabeth Heidelberg soll eine klinische Studie mit dem Assistenten durchführen. Forschende des Universitätsklinikums entwickeln außerdem die Benutzeroberfläche und vergleichen das neue Verfahren mit den heute üblichen Fragebögen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Solche Fragebögen erfassen meist vorgegebene Symptome. Freie Erzählungen können mehr Alltagserfahrungen abbilden, sind aber schwerer standardisiert auszuwerten. Ob der KI-Assistent tatsächlich vollständigere und zugleich verlässliche Informationen liefert, muss das Projekt erst zeigen.

Noch kein einsatzbereites Medizinprodukt

ResPECT startet als Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Es gibt bislang keine veröffentlichten Wirksamkeitsdaten aus den geplanten klinischen Prüfungen. Aus der Fördersumme folgt deshalb weder, dass das System medizinische Entscheidungen sicher treffen kann, noch dass es reguläre ärztliche oder psychotherapeutische Gespräche ersetzen soll.

Technische Basis soll ein europäisches Open-Source-Sprachmodell sein. Weil dabei besonders sensible Gesundheitsdaten verarbeitet werden, nennt das Klinikum Sicherheit und Verlässlichkeit als zentrale Anforderungen. Hinzu kommen Datenschutz, Nachvollziehbarkeit der Empfehlungen und die Frage, wie Behandlungsteams Warnhinweise kontrollieren.

Heidelberg koordiniert bereits weitere europäische KI-Projekte in der Medizin. Im September starteten dort Verbünde zur KI-gestützten Hirntumordiagnostik und zur Ausbildung neuer Fachkräfte. Die offizielle Projektbeschreibung des Universitätsklinikums Heidelberg nennt ResPECT als Teil des europäischen GenAI4Health-Clusters.

Baden-Württemberg-News zuerst
InsideBW bei Google als bevorzugte Quelle festlegen und regionale Meldungen künftig häufiger sehen.

InsideBW.de bei Google bevorzugen →

Quellen und Methodik:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Mehr über unsere Arbeitsweise erfahren Sie unter Quellen & Methodik.