Für die Beschäftigten der Haushaltsbatterie-Sparte von Varta steht der nächste Schritt der Neuordnung fest: Varta Consumer Batteries wird wieder als eigenständiges Unternehmen geführt. Nach Angaben des Unternehmens hat das Bundeswirtschaftsministerium die Herauslösung aus der insolventen Varta AG genehmigt. Alle bestehenden Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.
Die Zahl braucht eine genaue Einordnung. Varta Consumer Batteries beschäftigt nach eigenen Angaben rund 990 Menschen, davon etwa 820 in Deutschland und 170 im Ausland. Die Produktion von Haushaltsbatterien läuft im baden-württembergischen Dischingen weiter im Dreischichtbetrieb. Verwaltung und Logistik sind in Ellwangen-Neunheim gebündelt.
Die Trennung betrifft Finanzen und Haftung
Die Neuordnung ist mehr als ein neuer Firmenname. Das Consumer-Geschäft ist laut Varta nicht mehr Teil der gemeinsamen Konzernfinanzierung und soll nicht länger mit Garantien oder Sicherheiten für Verpflichtungen der früheren Gruppe haften. Die Kreditgeber übernehmen die Gesellschaftsanteile; zugleich sei neues Kapital in mehrstelliger Millionenhöhe bereitgestellt worden.
Wie hoch dieses Kapital genau ist und zu welchen Bedingungen es bereitsteht, nennt die Mitteilung nicht. Auch die angekündigte Sicherung der Arbeitsplätze ist zunächst eine Aussage des Unternehmens. Für Kunden, Lieferanten und Handelspartner sollen bestehende Verträge, Lieferungen und Garantieleistungen unverändert weiterlaufen.
Dischingen soll bis Ende 2028 weiter modernisiert werden
Am Produktionsstandort Dischingen plant die neue Gesellschaft bis Ende 2028 weitere Investitionen. Ein konkretes Volumen nennt Varta auch hierfür nicht. Das Geld soll vor allem in neue Anlagen, stärkere Automatisierung und Verpackungen aus reiner Kartonage fließen. Damit verbindet das Unternehmen zwei Ziele: höhere Produktionsleistung und weniger Kunststoff.
Zusätzliche Stellen sind nach der Abspaltung vor allem in Funktionen vorgesehen, die zuvor teilweise zentral in der Varta-Gruppe organisiert waren. Genannt werden IT, Finanzen, Controlling, Beschaffung und Lieferantenbeziehungen. Wie viele neue Arbeitsplätze an welchen Standorten entstehen sollen, bleibt offen.
Wachstum ist geplant, aber nicht garantiert
Varta Consumer Batteries rechnet bis 2029 mit einem durchschnittlichen jährlichen Umsatzwachstum von drei bis vier Prozent. Der Schwerpunkt soll auf Europa liegen; weitere Chancen sieht das Unternehmen in Südamerika, Asien und Kanada. Digitale Vertriebskanäle und der direkte Verkauf an Verbraucher sollen ebenfalls ausgebaut werden.
Diese Angaben sind Unternehmensziele und keine gesicherten Ergebnisse. Die Strategie hängt von der weiteren Marktentwicklung ab. Zugleich verweist Varta darauf, dass die Haushaltsbatterien in Deutschland produziert und die Rohmaterialien nahezu vollständig aus der Europäischen Union bezogen würden.
Die übrige Varta-Gruppe bleibt im Insolvenzverfahren
Wichtig ist die Abgrenzung zur Konzernkrise: Die neue Perspektive für Varta Consumer Batteries bedeutet keine Sanierung der gesamten Varta AG. Die Konzernmutter hatte im Juli beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Betroffen waren nach damaliger Unternehmensangabe auch Varta Microbattery, Varta Micro Production und Varta Storage.
Der Consumer-Bereich war schon beim Insolvenzantrag ausdrücklich ausgenommen. Die jetzt abgeschlossene finanzielle Trennung soll diese Sonderstellung dauerhaft absichern. Die nächsten überprüfbaren Punkte sind deshalb nicht nur der Fortbestand der 990 Stellen, sondern auch die angekündigten Neueinstellungen und die tatsächliche Umsetzung der Investitionen in Dischingen bis Ende 2028.





