Sieg für Rechtstaat, doch Trump hat Alternativen

US-Zölle: Verbände warnen trotz Gerichtsurteil vor neuer Unsicherheit

Foto: Containerschiff (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs hat reziproke Zölle gestoppt. Verbände begrüßen das als Sieg für regelbasierten Handel, mahnen aber zur Vorsicht. Neue Zölle drohen auf anderer Grundlage, die Unsicherheit bleibt groß.

Gerichtsurteil trumpft Zölle aus

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur US-Zollpolitik begrüßt. „Wir begrüßen das Urteil des Obersten Gerichtshofs, der die reziproken Zölle der US-Regierung für unrechtmäßig erklärt hat“, sagte der Leiter der VDMA-Außenwirtschaft, Oliver Richtberg, dem Newsletter „Industrie und Handel“ des „Politico“ am Freitag. „Das ist ein wichtiges Signal für regelbasierten Handel und Rechtssicherheit.“

Offene Flanke für Trump

Trotzdem bleibe die Unsicherheit für europäische Unternehmen. „US-Präsident Trump verfügt über mehrere alternative Rechtsgrundlagen, um globale Zölle zu verhängen“, so Richtberg weiter. „Wir befürchten daher, dass ein 15 Prozent-Zollsatz für EU-Importe zeitnah wieder eingeführt wird.“ Die praktischen Auswirkungen der Entscheidung seien noch nicht absehbar.

Rote Linie, aber kein Ende

Der Verband der Chemischen Industrie sieht ebenfalls keinen Grund zur Entwarnung. „Der Supreme Court zieht eine rote Linie: Auch in der Handelspolitik endet politische Willkür am Rechtsstaat“, kommentierte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. „Das ist ein deutliches Stoppsignal gegen eine Zollpolitik nach Gutsherrenart. Doch Entwarnung gibt es nicht“, so Große Entrup.

„Für unsere Unternehmen beginnt jetzt keine Phase der Stabilität, sondern eine neue Runde der Unsicherheit. Wer glaubt, damit sei der Zollkonflikt erledigt, irrt. Neue Zölle auf anderer Rechtsgrundlage sind jederzeit möglich“, sagte er. „Die handelspolitischen Turbulenzen verschwinden nicht – sie wechseln nur das Spielfeld.“