„Wir schleichen uns zu Tode“
Der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher hat eine düstere Diagnose für die aktuelle Weltlage parat. Die internationale Politik sei von einer „Art Kriegslust“ geprägt, und das Gefühl der Straflosigkeit sei weit verbreitet. „Niemand zur Rechenschaft gezogen“, sagte Fletcher der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Diese Entwicklung untergrabe die Grundlagen der internationalen Zusammenarbeit, wenn Akteure sich mehr wie „Immobilienmakler auf einem Basar“ verhielten, statt kooperativ zu agieren.
Sudan-Konferenz als Hoffnungsschimmer
Trotz dieser düsteren Einschätzung sieht Fletcher in der parallel stattfindenden Sudan-Konferenz in Berlin einen positiven Schritt. Die Zusammenführung relevanter Akteure allein sei bereits ein Erfolg. Er bemängelt jedoch die unrealistischen Erwartungen an schnelle Friedensabkommen. „Alle erwarten, dass Friedensabkommen sofort zustande kommen“, so der UN-Koordinator. Deutschland sei hier gefordert, mehr Geduld und Ernsthaftigkeit an den Tag zu legen, um langfristige Lösungen zu ermöglichen.
KI als Werkzeug der Menschlichkeit
Ein weiteres wichtiges Thema für Fletcher ist der geplante „humanitäre Neustart“. Ein zentraler Baustein dabei ist die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI). Diese soll helfen, die Folgen von Budgetkürzungen in der humanitären Hilfe abzufedern. „KI kann uns helfen, besser vorherzusagen und einzuschätzen, was auf uns zukommt, und uns besser darauf vorzubereiten“, erklärt Fletcher. Die Technologie soll zudem Transparenz und Rechenschaftspflicht stärken, beispielsweise durch die detaillierte Nachverfolgung von Einsätzen: „Wir haben zum Beispiel jetzt einen Tracker, der uns detailliert zeigt, wie wir im Januar sieben Millionen Menschenleben gerettet haben.“ Dies könne den Vereinten Nationen helfen, Vertrauen und Legitimität zurückzugewinnen.




