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Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg

Umfrage: 73 Prozent melden weniger Nachfrage – BW-Zulieferer setzen auf Qualifizierung

Beim Zulieferertag in Esslingen trifft eine angespannte Nachfrage auf konkrete Weiterbildungs- und Kooperationsangebote. Eine Studie mit 60 gültigen Rückläufen zeigt den Handlungsdruck – ist aber keine Vollerhebung.

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Archivaufnahme der Factory 56 in Sindelfingen als Symbol für den Wandel der Automobilindustrie
Archivbild: Die Factory 56 in Sindelfingen steht exemplarisch für die industrielle Transformation der Automobilwirtschaft. Das Foto zeigt nicht den Zulieferertag in Esslingen.
Foto: Alexander Migl / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Beim Zulieferertag Automobilwirtschaft BW in Esslingen ist der Druck auf die Branche am 21. Oktober 2026 in einer Zahl sichtbar geworden: 73 Prozent der Befragten einer Standortstudie berichten von rückläufiger Nachfrage. Rund 400 Fachleute diskutierten im Neckar Forum darüber, wie Zulieferer schneller entwickeln, neue Märkte erreichen und Beschäftigte für veränderte Technologien qualifizieren können. Ein konkretes Ergebnis aus laufenden Programmen nennt das Land bereits: Beschäftigte aus knapp 180 baden-württembergischen Firmen wurden 2026 in Batterietechnologie weitergebildet.

73 Prozent sind ein Warnsignal, aber keine Vollerhebung

Die häufig zitierte Nachfragezahl stammt aus einer vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag der Landesagentur e-mobil BW erstellten Standortanalyse. Für die Online-Befragung im Juni 2025 gingen 60 gültige Rückläufe ein. Zulieferer stellten 39 Prozent der Teilnehmenden; daneben waren unter anderem Hersteller, Engineering- und Softwareunternehmen, Forschung, Verbände und Verwaltung vertreten.

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Damit beschreibt die Erhebung die Lage eines gemischten Branchenquerschnitts, nicht aller Unternehmen im Land. Trotzdem ist das Muster deutlich: Neben den 73 Prozent mit Nachfragerückgängen nannten 68 Prozent Kostensteigerungen und 43 Prozent regulatorische Einschränkungen. 61 Prozent verschoben Investitionen, 34 Prozent reagierten mit Personalmaßnahmen wie Kurzarbeit oder Kündigungen. Die Prozentwerte dürfen wegen der Stichprobe nicht auf jedes einzelne Unternehmen übertragen werden, zeigen aber, warum der Zulieferertag Weiterbildung und Kooperation stärker in den Mittelpunkt gestellt hat.

Weiterbildung soll den Technologiewechsel im Betrieb ankommen lassen

Erstmals bildete Qualifizierung einen eigenen Schwerpunkt des Branchentreffens. Arbeitgeber, Beschäftigte und Arbeitsmarktforschung berieten darüber, welche Fähigkeiten in Entwicklung und Produktion künftig gebraucht werden. Beispiele kamen laut Wirtschaftsministerium von Trumpf, Bosch und Arnold Umformtechnik. Eine Ausstellung des Clusters Elektromobilität Süd-West bündelte Beratungs-, Förder- und Weiterbildungsangebote.

Die Zahl von knapp 180 beteiligten Firmen zeigt Reichweite, belegt aber noch keinen Beschäftigungseffekt. Das Ministerium nennt weder die Zahl der geschulten Personen noch Abschlüsse, Übernahmen oder neu gesicherte Stellen. Für die Bewertung bleibt deshalb entscheidend, ob Betriebe die Qualifizierung anschließend in neue Produkte, Produktionsschritte oder Aufträge übersetzen.

Kooperationen sollen Entwicklungszeit und Marktzugang verbessern

Auf der begleitenden Matching-Messe präsentierten sich 43 Unternehmen, sieben Forschungsinstitute und sechs Start-ups aus Baden-Württemberg sowie neun internationale Unternehmen. Delegationen aus Belgien, Finnland, Großbritannien, Kanada, den Niederlanden und Spanien sollten Partnerschaften anbahnen. Hinter diesem Format steht ein praktisches Problem: Viele mittelständische Zulieferer können Software, Batterietechnik, neue Fertigungsverfahren und internationale Vertriebswege nicht parallel aus eigener Kraft aufbauen.

Kooperationen können Entwicklungsrisiken teilen und den Zugang zu Spezialwissen erleichtern. Ob aus den Gesprächen Aufträge oder Investitionen entstehen, ist derzeit jedoch offen. Die Mitteilung des Landes nennt keine abgeschlossenen Verträge, Projektvolumen oder Standortzusagen. Der Zulieferertag liefert damit ein Netzwerk und konkrete Beratungswege, aber noch keinen messbaren Gegenbeweis zum Nachfragerückgang.

Aktuelle Marktdaten zeigen ein widersprüchliches Bild

Die Daten der Landesagentur zeigen zugleich, dass Transformation und Krise nebeneinander verlaufen. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Pkw-Neuzulassungen in Baden-Württemberg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent. Batterieelektrische Autos legten um 49,1 Prozent zu und erreichten 28,3 Prozent der Neuzulassungen.

Für Hersteller und Zulieferer folgt daraus aber nicht automatisch mehr Wertschöpfung im Land. Nach den jeweils im Dezember gemessenen amtlichen Daten sank die Beschäftigung im Wirtschaftszweig Kraftwagen und Kraftwagenteile von 230.411 Personen im Jahr 2019 auf 202.173 im Jahr 2025. Der Branchenumsatz lag 2025 bei 126 Milliarden Euro und damit 5,4 Prozent unter dem Vorjahr. Diese Statistik erfasst Betriebe ab 50 Beschäftigten und ist daher nicht mit der weiter gefassten Clusterzahl der Standortstudie gleichzusetzen.

Gerade diese Gegenläufigkeit erklärt den Fokus des Treffens: Der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge wächst, während Beschäftigung und Umsatz am Standort unter Druck stehen. Entscheidend ist nicht nur, welche Autos verkauft werden, sondern wo Software, Komponenten und Produktionswissen entwickelt und gefertigt werden.

Was nach dem Treffen überprüfbar bleibt

Belegt sind bislang drei operative Ansätze: Weiterbildung in Batterietechnologie, eine Messe für neue Partnerschaften und Beratungsangebote für Zulieferer. Nicht belegt sind neue Investitionssummen, gesicherte Arbeitsplätze oder ein Rückgang der Kostenbelastung. Der nächste Zulieferertag ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums für den 25. November 2027 geplant. Bis dahin lässt sich der Erfolg der diesjährigen Initiativen daran messen, ob aus Qualifizierung und Kontakten tatsächlich Projekte, Aufträge oder neue Wertschöpfung in Baden-Württemberg entstehen.

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