Kassenabbau als Sparwunder?
Eine radikale Verkleinerung der Krankenkassenlandschaft, wie sie CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann vorschlägt, sorgt für heftige Gegenwehr. Seine Forderung, die Zahl der bundesweit mehr als 90 gesetzlichen Krankenversicherungen auf gerade einmal zehn zu reduzieren, hält Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, für eine „Debatte ohne Hand und Fuß, die an der Realität völlig vorbeigeht“.
Vor allem kleinere Kassen sollen nach dem Willen Linnemanns weg. Eine Schwelle von 200.000 oder 250.000 Versicherten nannte der CDU-Politiker als mögliche Richtlinie. Seiner Ansicht nach bieten die meisten Kassen ähnliche Leistungen an und verursachen unnötige Verwaltungskosten, die „Milliarden“ verschlingen würden, da ein echter Wettbewerb fehle.
Verwaltungskosten sinken
Blatt konterte diese Argumentation im Gespräch mit dem „Stern“ scharf. Er verwies auf einen Bericht der Finanzkommission Gesundheit, der zeige, dass der Anteil der Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben seit Jahren sinke. „Wir erwarten von der Politik die Kraft zu echten Strukturreformen und nicht die Flucht in Scheindebatten“, so Blatt. Er erinnerte daran, dass die Zahl der Krankenkassen seit den 90er-Jahren von weit über tausend auf heute 93 zurückgegangen sei.
Der GKV-Spitzenverband sieht die derzeitigen Krankenkassen als Beleg dafür, wie schlank und optimiert die Versorgung und Verwaltung in diesem Sektor bereits organisiert sei. Blatt betonte, dass die Kassen im Wettbewerb stünden und sich um gute Versorgung und Service bemühten. Würden alle Bereiche des Gesundheitssystems eine ähnliche Wandlungsbereitschaft zeigen, wären viele Probleme wohl schon gelöst.




