Nur noch eine Spritpreiserhöhung täglich

Spritpreise über zwei Euro: Regierung will Preissprünge an Tankstellen begrenzen

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Die Spritpreise in Deutschland sind innerhalb weniger Tage deutlich gestiegen. Besonders stark trifft es Diesel-Fahrer: Der Preis für einen Liter Diesel legte laut ADAC im Wochenvergleich um 27,1 Cent zu. Auch Benzin ist spürbar teurer geworden. Super E10 kostet derzeit durchschnittlich 2,045 Euro pro Liter – fast 15 Cent mehr als in der Vorwoche.

Damit liegen sowohl Diesel als auch Benzin erstmals seit September 2022 wieder gleichzeitig über der Marke von zwei Euro pro Liter.

Diesel deutlich teurer als Benzin

Während Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 2,045 Euro pro Liter kostet, liegt Diesel aktuell sogar noch höher. Laut ADAC müssen Autofahrer derzeit im Schnitt 2,188 Euro je Liter Diesel bezahlen.

Noch in der Woche zuvor lag der Preis für Diesel bei rund 1,917 Euro pro Liter.

Damit hat sich der Dieselpreis besonders stark entwickelt und den Benzinpreis deutlich überholt.

Grafik zeigt Kraftstoffpreise für Super E10 und Diesel im Wochenvergleich.

Kraftstoffpreise im Vergleich: Super E10 und Diesel von Dezember bis März.

Ölpreis schwankt stark

Der Hintergrund der Entwicklung liegt unter anderem in starken Schwankungen auf dem Ölmarkt. Zwischenzeitlich war der Ölpreis auf über 120 US-Dollar pro Barrel gestiegen.

Inzwischen hat sich der Preis wieder etwas beruhigt und liegt derzeit im Bereich von etwa 90 US-Dollar pro Barrel.

Nach Ansicht des ADAC müssten die Mineralölkonzerne diese Entspannung schnell an die Verbraucher weitergeben. In der Vergangenheit sei häufig zu beobachten gewesen, dass steigende Ölpreise sehr schnell zu höheren Spritpreisen führen, während sinkende Rohölpreise deutlich langsamer an den Zapfsäulen ankommen.

Bundesregierung will Spritpreise stärker regulieren

Die stark gestiegenen Kraftstoffpreise beschäftigen inzwischen auch die Politik.

Die Bundesregierung prüft Maßnahmen, um extreme Preissprünge an Tankstellen künftig einzudämmen. Ein Vorschlag sieht vor, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal pro Tag erhöhen dürfen.

Das Modell orientiert sich an einer Regelung aus Österreich.

Preissenkungen wären weiterhin jederzeit möglich. Ziel sei es, plötzliche starke Preissteigerungen zu verhindern.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte, dass steigende Rohölpreise häufig wie eine „Rakete“ auf die Spritpreise wirken würden. Sinkende Kosten kämen dagegen deutlich langsamer bei den Verbrauchern an.

Dieser Mechanismus solle durch neue Regeln durchbrochen werden.

Kritik an Mineralölkonzernen

Die Diskussion über Spritpreise wird zunehmend politisch geführt.

Politiker mehrerer Parteien werfen Mineralölkonzernen vor, Preise teilweise zu früh oder zu stark zu erhöhen. Vor allem Pendlerinnen und Pendler würden dadurch zusätzlich belastet.

Auch Tankstellenpächter betonen, dass sie selbst kaum Einfluss auf die Preise haben. Die Preise würden von den Mineralölkonzernen festgelegt.

Den Ärger vieler Autofahrer bekommen jedoch häufig die Tankstellenbetreiber und ihre Mitarbeiter vor Ort zu spüren.

ADAC fordert Entlastung für Autofahrer

Der ADAC fordert deshalb zusätzliche Maßnahmen, um Autofahrer zu entlasten.

Eine Möglichkeit wäre nach Ansicht des Automobilclubs eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe. Diesel könnte dabei auf den europäischen Mindeststeuersatz abgesenkt werden.

Eine solche Maßnahme könnte laut ADAC eine Entlastung von etwa 15 Cent pro Liter bringen.

Wichtig sei allerdings, dass mögliche Steuersenkungen vollständig bei den Verbrauchern ankommen.

Kritik an neuen Preisregeln

Nicht alle Experten sind von der geplanten Regulierung überzeugt.

Der ADAC warnt davor, dass Mineralölunternehmen ihre Preise möglicherweise von Anfang an höher ansetzen könnten, wenn Preiserhöhungen im Tagesverlauf begrenzt werden.

In diesem Fall könnten die Preise sogar noch weiter steigen, sagte der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Andere Verbände begrüßen die geplanten Regeln dagegen. Der Tankstellen-Interessenverband sieht darin einen ersten Schritt, um den Markt zu stabilisieren und mehr Planungssicherheit für Verbraucher zu schaffen.

ADAC empfiehlt Preisvergleich vor dem Tanken

Autofahrern empfiehlt der ADAC, vor dem Tanken die aktuellen Preise zu vergleichen.

Mit Apps wie „ADAC Drive“ lassen sich die Preise von mehr als 14.000 Tankstellen in Deutschland abrufen.

Besonders abends sind die Preise an vielen Tankstellen häufig günstiger als am Morgen.