Josefa Schuler wurde zur sagenumwobenen „Kandelhexe“

Schwarzwald-Legende: Die geheimnisvolle Geschichte vom „Plattenwieble“

Schwarzwald-Legende: Die geheimnisvolle Geschichte vom „Plattenwieble“
Foto: Storz/Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Im Schwarzwald ranken sich viele Geschichten um Hexen, Geister und geheimnisvolle Gestalten. Eine der bekanntesten Figuren ist das sogenannte „Plattenwieble“ – eine Frau, die tatsächlich gelebt hat und bis heute als Legende rund um den Kandel weiterlebt.

Hinter dem Namen verbirgt sich Josefa Schuler, eine Frau aus St. Peter im Hochschwarzwald. Mit ihrem ungewöhnlichen Leben, ihrer Erscheinung und vielen überlieferten Anekdoten wurde sie schon zu Lebzeiten zu einer sagenumwobenen Figur der Region.

Eine ungewöhnliche Frau aus dem Schwarzwald

Josefa Schuler wurde 1854 auf dem Langeckerhof bei St. Peter geboren. Nur wenige Menschen kannten sie später noch unter ihrem echten Namen. In der Region wurde sie fast ausschließlich „Plattenwieble“ genannt.

Der Name geht auf die „Platte“, eine Hochfläche in rund 1.000 Metern Höhe nördlich von St. Peter, zurück. Dort wurde die kleine Frau mit ihren auffälligen Eigenheiten häufig gesehen.

Sie war nur etwa 1,40 Meter groß, trug meist drei Röcke übereinander, lief oft barfuß – selbst im Winter – und hatte fast immer eine Pfeife mit einem Zigarrenstumpen im Mund. Auf ihrem Kopf saß ein ausgebeulter Männerhut.

Wer ihr begegnete, hörte sie meist schon von Weitem: Denn oft sang sie laut, bevor sie plötzlich aus einem Gebüsch auftauchte.

Ein schweres Schicksal verändert ihr Leben

Hinter der kuriosen Erscheinung steckt jedoch eine traurige Geschichte.

Mit etwa 30 Jahren bekam Josefa Schuler ein uneheliches Kind von einem Hirten. Ihre Tochter war ihr ganzer Lebensinhalt. Doch das Mädchen starb bereits im Alter von fünf Jahren an Diphtherie.

Der Verlust traf die Mutter tief. Danach veränderte sich ihr Leben stark.

Sie wurde zunehmend schrullig und wunderlich. Schlafen wollte sie nicht mehr im Bett, sondern auf der Ofenbank, oft mit all ihren Kleidern. „Wenn man sich ins Bett legt, stirbt man“, soll sie gesagt haben.

Besenbinderin und „Kandelhexe“

Auf der Ofenbank arbeitete sie auch: Dort band sie Reisigbesen, die sie in den umliegenden Dörfern verkaufte.

Diese Besen brachten ihr vermutlich auch einen weiteren Spitznamen ein: „Kandelhexe“. Dabei waren ihre Besen – wie die Menschen im Schwarzwald schmunzelnd sagen – zum Fegen und nicht zum Fliegen gedacht.

Wenn der Verkauf schlecht lief, soll sie sich manchmal auf eigene Weise geholfen haben. So wird erzählt, dass sie gelegentlich Eier aus Bauernhöfen mitnahm, um sie später wieder zu verkaufen. Auch Waldarbeiter vermissten ab und zu ihr Vesper.

Speck, Brot und ein Schluck Kirschwasser

Trotz ihres ungewöhnlichen Lebens galt das Plattenwieble als robust, heiter und zugleich fromm.

Sie ernährte sich hauptsächlich von Speck und Brot, trank gerne Schwarztee – und auch ein Glas „Chriesewässerle“, wie das Kirschwasser im Schwarzwald genannt wird, verschmähte sie nicht.

Begegnete sie Wanderern, bat sie oft stotternd um Geld oder Tabak. Wenn sie etwas bekam, ließ sie sich auch gerne fotografieren. So entstand vermutlich das berühmte Postkartenmotiv, das heute noch von ihr existiert.

Wer mehr über das Plattenwieble erfahren möchte, kann Fotos von ihr unter anderem in der Gaisfelsenhütte am Kandel-Höhenweg sehen.

Das Grab der Schwarzwald-Legende

Am 16. Dezember 1936 starb Josefa Schuler im Alter von 82 Jahren. Begraben wurde sie auf dem Friedhof in St. Peter.

Ihre Pfeife wurde ihr mit ins Grab gelegt. Auf dem schmiedeeisernen Grabkreuz steht bis heute:

„Hier ruht Josefa Schuler, Plattenwieble.“

Die Legende lebt bis heute weiter

Auch Jahrzehnte nach ihrem Tod ist das Plattenwieble im Schwarzwald nicht vergessen.

Im Glottertal lebt sie als Fasnachtsfigur der „Narrenzunft Glottertäler Plattewiebli“ weiter. Außerdem trägt eine Narrenzunft ihren Namen. In Mundarttheatern werden ihre Geschichten erzählt, und bei Wanderungen rund um den Kandel berichten Naturparkführer von der außergewöhnlichen Frau.

So ist aus dem Leben der Josefa Schuler längst eine echte Schwarzwald-Legende geworden.