Tarifstreit

Schlichtung im öffentlichen Dienst? Mehr Geld, mehr Flexibilität – Schlichter legen Kompromiss vor

Ein rotes Schild mit der Aufschrift „Heute: Warnstreik!“ steht im Vordergrund. Im Hintergrund sind mehrere Personen in gelben Warnwesten mit ver.di-Logo zu sehen, die an einer Protestaktion teilnehmen. Einige Teilnehmer halten ver.di-Fahnen, während andere miteinander sprechen. Die Szene spielt sich auf einer Freifläche unter einem bewölkten Himmel ab.
Foto: Foto: ver.di Landesbezirk Niedersachsen-Bremen

Nach tagelangen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen liegt jetzt ein Ergebnis auf dem Tisch: Die Schlichtungskommission hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag eine Einigungsempfehlung für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen beschlossen. Damit könnten über 2,6 Millionen Beschäftigte endlich Klarheit über ihre zukünftigen Arbeitsbedingungen erhalten – und über mehr Geld auf dem Konto.

Bereits ab dem 1. April 2025 soll das Gehalt um 3 Prozent steigen, mindestens aber um 110 Euro brutto. Eine weitere Entgelterhöhung von 2,8 Prozent folgt im Mai 2026. Die Laufzeit der Vereinbarung beträgt 27 Monate, also bis Ende März 2027.

Doch nicht nur finanziell bringt die Einigung Bewegung: Auch in puncto Flexibilität und Arbeitszeit sind Neuerungen geplant, die sowohl Arbeitgebern als auch Beschäftigten entgegenkommen sollen.

Mehr Geld, mehr Spielraum, weniger Konflikte

Ein zentrales Element der Empfehlung: Die Jahressonderzahlung wird erhöht – mit einer interessanten Neuerung. Teile dieser Sonderzahlung können künftig in bis zu drei freie Tage umgewandelt werden. Für viele Beschäftigte ein attraktives Angebot in Richtung besserer Work-Life-Balance. Umgekehrt können Mitarbeitende freiwillig eine Erhöhung ihrer Wochenarbeitszeit auf bis zu 42 Stunden vereinbaren – eine Option, die besonders in Bereichen mit Personalmangel relevant sein könnte.

Zudem wird ein weiterer zusätzlicher Urlaubstag ab 2027 für jene eingeführt, die nicht in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen arbeiten. Ein Zeichen der Wertschätzung für große Teile des kommunalen Personals.

Für Beschäftigte in Schicht- und Wechselschichtdiensten steigen ab Juli 2025 die Zulagen deutlich – auf 100 Euro für Schichtarbeit, 200 Euro für Wechselschicht. Auch strukturelle Verbesserungen sind vorgesehen: Die Tarifunterschiede zwischen Ost und West beim Bund werden angeglichen, und die Eingruppierungsregelungen für Hebammen sollen modernisiert werden.

Auch Azubis profitieren – mit mehr Geld und Übernahmegarantie

Die Empfehlung der Schlichtungskommission umfasst auch klare Verbesserungen für Studierende, Auszubildende und Praktikanten. Ihre Vergütung soll ab April 2025 um 75 Euro, ab Mai 2026 um weitere 75 Euro steigen. Dazu kommt eine Regelung zur unbefristeten Übernahme – ein wichtiges Signal für den Nachwuchs im öffentlichen Dienst.

Auch bei Bildungsmaßnahmen gibt es Fortschritte: Die Verpflegungszuschüsse für auswärtige Lehrgänge werden spürbar verbessert.

Schlichter loben konstruktiven Kompromiss

Der Vorsitzende der Schlichtungskommission, Prof. Dr. h.c. mult. Roland Koch, bezeichnete das Ergebnis als „herausfordernd, aber notwendig“. Trotz weit auseinanderliegender Ausgangspositionen sei es gelungen, einen Kompromiss mit Zukunftsperspektive zu finden. Auch der von der Gewerkschaft entsandte Schlichter, Prof. Dr. Henning Lühr, zeigte sich zufrieden:

„Die Weiterentwicklung der individuellen Arbeitszeitmodelle macht den öffentlichen Dienst attraktiver.“

Wie geht es jetzt weiter?

Die Friedenspflicht gilt weiterhin. Am 5. April 2025 treffen sich die Tarifparteien erneut in Potsdam, um über die Schlichtungsempfehlung zu beraten und möglicherweise offiziell zu übernehmen. Sollte es zur Einigung kommen, wäre ein drohender Arbeitskampf im mit Abstand größten Tarifbereich Deutschlands vorerst abgewendet.

Fazit: Mehr Geld, neue Spielräume und ein Schritt in Richtung moderner Arbeitswelt – der Schlichterspruch bietet eine realistische Perspektive für Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Jetzt liegt es an den Tarifparteien, das Ergebnis zu bestätigen.