Hohenheim gewinnt über die Zusatzpunkte
Bei den Hochschulen war die Recyclingpapierquote allein noch keine Entscheidung: Hohenheim, die Universität Konstanz und die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg meldeten jeweils 100 Prozent Papier mit dem Blauen Engel. Den Ausschlag gaben die zusätzlichen Maßnahmen. Hohenheim kam auf 19 Bonuspunkte, Konstanz auf 17 und Ludwigsburg auf 15. Damit gingen alle drei Spitzenplätze des Hochschulwettbewerbs nach Baden-Württemberg.
Die Universität Hohenheim bezog 2025 nach den Wettbewerbsdaten rund 2,915 Millionen DIN-A4-Blätter. Für die gesamte Menge meldete sie Recyclingpapier mit dem Blauen Engel. Gegenüber derselben Menge Frischfaserpapier errechnet der Papieratlas eine Einsparung von mehr als 569.000 Litern Wasser und rund 128.000 Kilowattstunden Energie.
Hinter der Quote steht eine Beschaffungsregel: Im zentralen Bestellsystem der Universität werden nach eigenen Angaben ausschließlich Recyclingpapier-Produkte angeboten. Auch Briefumschläge und Versandtaschen stammen demnach aus Recyclingpapier. Der Wettbewerb berücksichtigt darüber hinaus, ob eine Hochschule etwa Publikationen, Hausdruckerei oder weitere Einrichtungen einbezieht und Beschäftigte sowie Studierende informiert.
Tübingen erreicht erstmals in allen erfassten Bereichen 100 Prozent
Tübingen setzte sich in der eigenen Größenklasse gegen die weiteren Mittelstädte durch. Im Berichtsjahr 2025 verwendeten Stadtverwaltung, städtische Hausdruckerei und Schulen nach Angaben der Stadt erstmals ausschließlich Recyclingpapier mit dem Blauen Engel. Der Papieratlas beziffert den Vergleichseffekt auf mehr als 2,2 Millionen Liter Wasser und über 500.000 Kilowattstunden Energie.
Der vollständige Umstieg war ein langer Prozess. Die erste städtische Verfügung zum Ersatz von Frischfaserpapier stammt laut Rathaus aus dem Jahr 1990. Danach wurden weitere Bereiche einbezogen – vom Schriftverkehr über Druckerzeugnisse und Bastelpapier bis zum Stadtarchiv. 2026 reicht diese Entwicklung nun zum ersten Platz unter den Mittelstädten.
Der Tübinger Erfolg steht nicht isoliert. Die 114 teilnehmenden Groß- und Mittelstädte kamen im Schnitt auf mehr als 91 Prozent Blauer-Engel-Papier. Bei den 61 Hochschulen lag der Mittelwert bei rund 76 Prozent. Insgesamt beteiligten sich 269 Städte, Landkreise und Hochschulen am Papieratlas 2026.
Was die hohen Einsparwerte tatsächlich aussagen
Die Wasser- und Energiewerte sind keine gemessenen Einsparungen auf den Rechnungen der Stadt oder der Universität. Der Papieratlas berechnet sie aus der gemeldeten Papiermenge und vergleicht die Herstellung von Recyclingpapier mit der Produktion einer entsprechenden Menge Frischfaserpapier. Die Zahlen machen damit einen modellierten Ressourceneffekt der Papierbeschaffung sichtbar.
Auch der Titel bewertet nicht die gesamte Umweltbilanz einer Kommune oder Hochschule. Im Mittelpunkt stehen der Anteil von Recyclingpapier mit dem Blauen Engel und ergänzende Maßnahmen zur nachhaltigen Beschaffung. Energieverbrauch von Gebäuden, Mobilität oder andere Materialströme fließen in diese Rangliste nicht ein.
Innerhalb dieses klar begrenzten Maßstabs ist das Ergebnis dennoch bemerkenswert: Zwei Einrichtungen aus Baden-Württemberg erreichen in unterschiedlichen Wettbewerben 100 Prozent und zugleich genügend Zusatzpunkte für Platz eins. Während Tübingen den vollständigen Umstieg über mehrere Verwaltungsbereiche geschafft hat, entschied Hohenheim ein enges Rennen dreier Hochschulen aus dem Land über die weitergehenden Maßnahmen.





