Volatile Lage lässt Experten rätseln
Die jüngsten Preissenkungen an den Zapfsäulen sind nach Einschätzung von Christian Küchen, dem Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Fuels und Energie (en2x), nur ein kurzfristiges Aufflackern. „Gestern sind sie im Schnitt gesunken, entsprechend der Notierungen, die wir auch an den Weltmärkten gesehen haben“, sagte Küchen gegenüber RTL und ntv. Die Lage sei jedoch „extrem volatil“. Die Frage, wie sich die globale Ölversorgung mittelfristig stabilisieren und zerstörte Raffinerien wieder aufgebaut werden können, sei noch völlig offen.
Es gehe dabei nicht nur um die strategisch wichtige Straße von Hormus, sondern um die gesamte weltweite Ölversorgung. „Das können wir im Moment nicht absehen. Wir gehen schon davon aus, dass die Auswirkungen länger zu spüren sein werden“, so Küchen weiter. Die Befürchtung ist, dass die derzeitige Krise langanhaltende Effekte auf die Kraftstoffpreise in Deutschland haben wird.
Kritik an „Abzocke“ wird zurückgewiesen
Angesichts der spürbar gestiegenen Spritpreise sieht sich der Lobbyverband en2x mit dem Vorwurf der „Abzocke“ an den Tankstellen konfrontiert. Diesen Vorwurf weist Küchen entschieden zurück. „Das ist eine Folge der Entwicklung auf den Weltmärkten“, betont er. Aktuell, so die Einschätzung, die auch durch die internationale Energieagentur gestützt werde, erlebe die Welt die „größte Störung der Ölversorgung weltweit in der Geschichte“.
Küchen beziffert die aktuell nicht verfügbare Ölmenge auf rund 20 Prozent der Welterversorgung. Dies sei eine direkte Konsequenz aus der Sperrung der Straße von Hormus und den beschädigten Raffinerien. „Das heißt, hier können wir auch langfristigere Auswirkungen haben, denn es geht nicht nur um Rohöl, sondern gerade auch um Ölprodukte, Benzin und Diesel vor allem. Das sind getrennte Märkte und die Entwicklung auf den Weltmärkten macht sich insbesondere bei der Nachfrage nach den Kraftstoffen bemerkbar.“ Die Preise an deutschen Tankstellen spiegelten daher „nur und relativ genau“ die weltweiten Marktentwicklungen wider, so der Verbandschef.
