Start ist Ende 2027

Neue Züge für den Hochrhein: SWEG übernimmt künftig die Verbindungen zwischen Basel und Radolfzell

Auf der Hochrheinbahn steht ein Betreiberwechsel bevor: Die Südwestdeutsche Landesverkehrs-GmbH hat den Zuschlag für das Netz 66 erhalten. Ab Dezember 2027 soll die SWEG die S-Bahn- und Regionalexpress-Verbindungen zwischen Basel, Waldshut und Radolfzell betreiben. Geplant sind 19 elektrische Mireo-Züge mit barrierefreiem Einstieg und viel Platz für Fahrgäste und Fahrräder.

Neue Züge für den Hochrhein: SWEG übernimmt künftig die Verbindungen zwischen Basel und Radolfzell

Verkehrsministerium BW

Anzeige

SWEG gewinnt Ausschreibung für das Hochrhein-Netz

Der neue Verkehrsvertrag beginnt zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2027 und läuft bis Dezember 2032. Das Netz 66 umfasst die Regionalzüge zwischen Basel, Waldshut, Singen und Radolfzell. Pro Jahr sollen dort rund drei Millionen Zugkilometer gefahren werden.

An der Ausschreibung beteiligten sich drei Unternehmen. Zwei davon reichten ein letztverbindliches Angebot ein. Den Zuschlag erhielt die SWEG, weil sie nach Angaben des Landes das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt hatte.

Die Vergabe ist als Übergangslösung angelegt. Sie soll den elektrischen Bahnbetrieb auf der Hochrheinstrecke bis zur nächsten langfristigen Ausschreibung sicherstellen.

Diese Linien gehören zum Netz 66

Zum neuen Verkehrsvertrag gehören eine S-Bahn- und eine Regionalexpress-Linie:

  • S7 Basel–Waldshut: in der Nebenverkehrszeit im Stundentakt, in der Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt
  • S7 Waldshut–Erzingen: zwei zusätzliche Zugpaare von Montag bis Freitag
  • RE3 Basel–Radolfzell: täglich im Stundentakt
  • RE Offenburg–Radolfzell: ein Zugpaar von Montag bis Freitag zur Anbindung an die Werkstatt

Damit verbindet das Netz künftig Basel über Waldshut und Singen mit Radolfzell am Bodensee. Das Land führt das Angebot offiziell als Netz 66 „Übergang Hochrhein“.

19 elektrische Mireo-Züge kommen zum Einsatz

Für den Betrieb sind 19 dreiteilige Elektrotriebwagen vom Typ Siemens Mireo vorgesehen. Die Fahrzeuge sind knapp 70 Meter lang und bieten jeweils:

  • 218 Sitzplätze
  • 216 Stehplätze
  • 21 Fahrradstellplätze
  • ein Universal-WC
  • barrierefreie Einstiegsmöglichkeiten

Abhängig von der Nachfrage können die Züge einzeln oder in Doppeltraktion fahren. In Doppeltraktion werden zwei Einheiten miteinander verbunden, wodurch deutlich mehr Platz zur Verfügung steht.

Verkehrsministerin Nicole Razavi bezeichnete die Mireo-Züge als effiziente und klimafreundliche Fahrzeuge mit hohem Komfort. Die Beschaffung erfolgte nach Angaben des Landes zusammen mit einem Instandhaltungsvertrag von Siemens.

Wartung erfolgt in Offenburg

Die Züge werden in Offenburg instand gehalten. Dabei übernimmt die SWEG die Wartungsarbeiten als Unterauftragnehmerin des Herstellers Siemens.

Für die SWEG ist die Technik nicht neu. Das Unternehmen setzt in der Ortenau bereits Züge der Mireo-Familie ein. Dort fahren batterieelektrische Mireo Plus B, die ebenfalls in einem SWEG-Betriebswerk in Offenburg gewartet werden.

Der Vorsitzende der SWEG-Geschäftsführung, Tobias Harms, erklärte zur Vergabe:

„Wir freuen uns sehr über das Vertrauen, das uns mit der Vergabe dieses Verkehrs entgegengebracht wird.“

Die Vorbereitung auf den Betriebsstart soll nun gemeinsam mit allen beteiligten Stellen erfolgen. Ziel sei ein erfolgreicher Start im Dezember 2027.

Elektrifizierung ist Voraussetzung für den Start

Der geplante Betrieb mit den neuen Elektrozügen setzt voraus, dass die Hochrheinbahn rechtzeitig elektrifiziert wird. Das Land geht derzeit davon aus, dass DB InfraGO die Arbeiten bis Dezember 2027 abschließt.

Verkehrsministerin Nicole Razavi sagte:

„Wir gehen dabei davon aus, dass die Hochrheinstrecke bis zum Dezember 2027 elektrifiziert sein wird, also dass DB InfraGo dieses selbstgesteckte Ziel einhält.“

Das Land habe mit der Vergabe des Verkehrsvertrags seine Vorbereitungen abgeschlossen. Nun hängt der vorgesehene Betriebsstart maßgeblich davon ab, ob die Infrastruktur wie geplant fertiggestellt wird.

Die Hauptbauarbeiten zur Elektrifizierung wurden bereits begonnen. Die Strecke zwischen Basel und Erzingen soll modernisiert, mit Oberleitungen ausgestattet und stärker in die trinationale S-Bahn Basel eingebunden werden. Während der Bauphase müssen Fahrgäste allerdings mit längeren Sperrungen und Ersatzverkehr rechnen. Mehr dazu lesen Sie im insideBW-Artikel zum Baustart der Elektrifizierung der Hochrheinbahn.

Was sich für Fahrgäste verbessern soll

Mit der Elektrifizierung und den neuen Fahrzeugen soll der Bahnverkehr am Hochrhein leiser und klimafreundlicher werden. Die bisher eingesetzten Dieselfahrzeuge sollen durch elektrische Züge ersetzt werden.

Für Fahrgäste sind vor allem diese Punkte relevant:

  • neue, nahezu fabrikneue Fahrzeuge
  • barrierefreier Einstieg an den Stationen
  • 21 Fahrradplätze pro Zug
  • mehr Kapazität durch mögliche Doppeltraktion
  • regelmäßige Verbindungen zwischen Basel und Radolfzell
  • dichterer Takt auf der S7 zu den Hauptverkehrszeiten

Die tatsächliche Qualität des Angebots hängt neben den Fahrzeugen auch davon ab, wie zuverlässig die Infrastruktur und der spätere Betrieb funktionieren.

Basel, Waldshut und der Bodensee werden enger verbunden

Die Hochrheinstrecke ist eine wichtige Ost-West-Verbindung im äußersten Süden Baden-Württembergs. Sie erschließt mehrere Grenzregionen und verbindet den Raum Basel mit dem Landkreis Waldshut, dem westlichen Bodensee und Radolfzell.

Mit dem RE3 soll täglich eine durchgehende stündliche Verbindung zwischen Basel und Radolfzell angeboten werden. Die S7 übernimmt vor allem die regionalen Verbindungen zwischen Basel und Waldshut.

Der Ausbau ist zudem Teil einer größeren Neuordnung des Bahnverkehrs am Hochrhein und am Bodensee. Parallel plant das Land weitere grenzüberschreitende Angebote und neue Verbindungen in der Vierländerregion.

Übergangsvertrag läuft nur fünf Jahre

Der Verkehrsvertrag endet bereits im Dezember 2032. Damit ist die Vergabe deutlich kürzer angelegt als viele langfristige Bahnverträge.

Der Grund liegt im Übergangscharakter des Netzes. Das Land will den elektrischen Betrieb nach Abschluss der Bauarbeiten zunächst absichern, bevor eine langfristige Neuvergabe erfolgt.

Für die Fahrgäste bedeutet das zunächst Planungssicherheit ab Ende 2027. Welche Betreiber und Linienkonzepte nach 2032 folgen, ist mit dieser Vergabe noch nicht entschieden.

Das Wichtigste zum Netz 66

  • Betreiber: SWEG
  • Vertragsbeginn: 14. Dezember 2027
  • Vertragsende: Dezember 2032
  • Strecken: Basel–Waldshut und Basel–Radolfzell
  • Linien: S7 und RE3
  • Betriebsleistung: bis zu 2,9 Millionen Zugkilometer jährlich
  • Fahrzeuge: 19 elektrische Siemens Mireo
  • Sitzplätze je Zug: 218
  • Fahrradstellplätze je Zug: 21
  • Wartung: in Offenburg
  • Voraussetzung: Abschluss der Elektrifizierung bis Dezember 2027

Die wichtigsten Baden-Württemberg-News zuerst

Bleiben Sie bei Nachrichten, Wetter, Verkehr, Verbraucherthemen und Freizeittipps aus Baden-Württemberg auf dem Laufenden. Legen Sie InsideBW als bevorzugte Quelle bei Google fest und sehen Sie unsere Inhalte künftig häufiger in den Google-Nachrichten.

InsideBW.de bei Google als bevorzugte Quelle festlegen

Quellen und Methodik:
insideBW prüft Informationen nach redaktionellen Standards. Mehr über unsere Arbeitsweise erfahren Sie unter Quellen & Methodik.