Appell für staatliche Verantwortung
Die Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen (UBSKM), Kerstin Claus, hat alle Kindertagesstätten und Schulen zur Erfüllung ihrer Meldepflicht bei Fällen sexualisierter Gewalt aufgerufen. Dies gelte für Einrichtungen in staatlicher sowie privater Trägerschaft gleichermaßen. Im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ betonte Claus: „Es geht mir um staatliche Verantwortung“.
Die Forderungen gehen weiter: Claus plädiert dafür, Schülerakten bis zum hundertsten Geburtstag aufzubewahren und fordert die Bundesländer auf, verpflichtende schulische Schutzkonzepte gesetzlich zu verankern. „Ich erwarte jetzt einen konsequenten Umgang mit der Vergangenheit, aber auch für die Zukunft“, so die Beauftragte.
Derzeit existieren bundesweit unterschiedliche Regelungen. Während Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Schleswig-Holstein bereits gesetzliche Verpflichtungen haben, greifen in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen untergesetzliche Regelungen, die Schulen zur Entwicklung von Schutzkonzepten anhalten. In Bayern, Bremen, Hamburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt fehlen solche Verpflichtungen gänzlich.
Das Ausmaß des Problems verdeutlichen Zahlen aus Nordrhein-Westfalen: Die dortige Unfallkasse verzeichnete im Jahr 2025 insgesamt 138 Meldungen aus Schulen, Kitas und Berufsschulen. Von den rund 5.400 Schulen im Land konnten 79 Fälle sexualisierter Gewalt als Arbeitsunfälle anerkannt werden. 25 Fälle sind noch in Bearbeitung, 34 erfüllten nicht die Kriterien für eine Anerkennung. Unfallkassen bieten hier neben Rehabilitationsmaßnahmen auch Rentenzahlungen für schwer betroffene Opfer.
Nordrhein-Westfalens Schulministerin Dorothee Feller (CDU), die auch die unionsregierten Länder in der Bildungsministerkonferenz koordiniert, sicherte zu, den Hinweis der UBSKM aufzugreifen und in der Konferenz zur Sprache zu bringen. „Mein Ziel ist, dass Missbrauchsopfer überall in Deutschland sämtliche Leistungen bekommen, die ihnen zustehen“, erklärte Feller.


