Spohr will vor Piloten und Flugbegleitern nicht einknicken

Lufthansa-Chef erteilt Streikenden harte Absage

Lufthansa-Chef erteilt Streikenden harte Absage

Flugstreichungen wegen Lufthansa-Piloten-Streik am 13.04.2026, via dts Nachrichtenagentur

Der Arbeitskampf bei der Lufthansa verschärft sich. Vorstandschef Carsten Spohr kündigt an, dem Druck von Piloten und Flugbegleitern nicht nachzugeben. Stattdessen droht er mit einer dauerhaft geschrumpften Kernmarke, sollte der Umbau des Konzerns scheitern. Tausende Flüge fallen aus, während das Unternehmen seinen 100. Geburtstag feiert.

Keine schnelle Einigung in Sicht

Die Fronten zwischen der Lufthansa und den streikenden Piloten und Flugbegleitern verhärten sich. Eine schnelle Lösung des Arbeitskonflikts zeichnet sich nicht ab. Lufthansa-Chef Carsten Spohr macht in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unmissverständlich klar: Der Konzern werde vor den Streiks nicht einknicken.

Stattdessen droht Spohr mit drastischen Konsequenzen. „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke“, sagte er der Zeitung. Der notwendige Umbau des Konzerns zu einer zukunftsfähigen internationalen Gruppe sei alternativlos für die Zukunftssicherung.

Chaos mitten im Osterreiseverkehr

Bereits am vergangenen Freitag führte ein Warnstreik der Flugbegleitergewerkschaft UFO bei der Kernmarke und der Tochtergesellschaft Cityline zu hunderten Flugausfällen. Reisende saßen mitten im Rückreiseverkehr nach den Osterferien fest. In dieser Woche setzten die Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) ihre Arbeit fort. Laut Gewerkschaft fallen am Montag und Dienstag nur rund jeder dritte Kurzstreckenflug und jeder zweite Langstreckenflug planmäßig statt.

Spohr: Spartengewerkschaften sind im Dilemma

Spohr drängt auf die Notwendigkeit, die Kosten der Kernmarke zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. „Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Spartengewerkschaftsfunktionäre von der Vereinigung Cockpit und UFO in einem Dilemma stecken: Keine der von ihnen tarifierten Airlines nimmt am erfreulichen Wachstum unserer Lufthansa Group mit ihren insgesamt 14 Airlines überhaupt noch teil“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Ursachen dafür sieht er in „oft jahrzehntelangen komplexen Tarifstrukturen – teilweise aus unserer Zeit als Staatsairline“.

Der Vorwurf, die Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen, weist Spohr zurück. Er lud alle Arbeitnehmerorganisationen ein, Wachstumsperspektiven in allen Flugbetrieben zu schaffen. „Letztlich entscheidet jeweils die Mehrheit der Mitarbeiter, von wem sie ihre Interessen am besten vertreten sieht. Und sie entscheiden in unterschiedlichen Airlines auch unterschiedlich. Die vom Vorstand und Aufsichtsrat beschlossene Strategie unserer Gruppe ist davon allerdings unberührt: Wir operieren Flugzeuge ausschließlich dort, wo sie Wert generieren.“

Jubiläumsfeier im Schatten der Streiks

Die Streiks treffen die Lufthansa ausgerechnet zum Höhepunkt der Feierlichkeiten anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens. Am Mittwoch findet in Frankfurt die große Jubiläumsfeier statt, zu der auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet wird.

VC zählt über 700 gestrichene Flüge

Die Vereinigung Cockpit (VC) zieht nach dem ersten Streiktag bei Lufthansa, Lufthansa Cargo, CityLine und Eurowings eine erwartungsgemäße Bilanz. Am Montag mussten mehr als 700 Flüge gestrichen werden. „Wir beobachten das Geschehen sehr genau und tracken, welche Flugzeuge am Boden bleiben. Bis jetzt verläuft der Streik wie erwartet“, sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.

Pinheiro kritisierte die Haltung der Lufthansa. „Wir haben der Lufthansa immer wieder genug Zeit gegeben, ein ernsthaftes Angebot vorzulegen. Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden soll, ist für uns jedoch nicht tragfähig.“ Er bemängelte, dass Vorstände ihre Boni erhielten, obwohl es dem Konzern schlecht gehe.

Die VC bekräftigt ihre Gesprächsbereitschaft, solange verhandlungsfähige Angebote vorgelegt werden. „Das gilt bei Lufthansa und Lufthansa Cargo für die bAV, bei CityLine für den VTV und bei Eurowings ebenfalls für die bAV.“

Man bedauere die Belastungen für Passagiere und Bodenpersonal ausdrücklich. „Wenn wir nicht mehr streiken könnten, um Bewegung auf Arbeitgeberseite zu erreichen, bliebe nur noch kollektives Betteln. Das kann nicht im Sinne einer Gesellschaft sein, die Mitbestimmung durch Arbeitnehmer ausdrücklich will“, so Pinheiro. Ein zweiter Streiktag am heutigen Dienstag ließe sich vermeiden, die Entscheidung liege bei der Arbeitgeberseite.

Demonstration am Frankfurter Flughafen

Über den Streik hinaus ruft die VC ihre Mitglieder auf, sich am kommenden Mittwoch an einem Demonstrationszug der Flugbegleitergewerkschaft UFO am Frankfurter Flughafen zu beteiligen. Der Zug startet um 15:15 Uhr am Kiss & Fly-Parkplatz, eine Kundgebung schließt sich an.

Quelle
  • (Mit Material der dts Nachrichtenagentur erstellt) Redaktionelle Bearbeitung: insideBW-Redaktion.

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