Absolute Geheimhaltung!

Konklave im Vatikan beginnt bald: Eid, Störsender und weißer Rauch – so wird der neue Papst gewählt

Papst Franziskus beim ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Wahl, 13. März 2013.

Foto: Foto: <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Tenan" title="User:Tenan">Tenan</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25132755">Link</a>

Nach dem Tod und der Beisetzung von Papst Franziskus bereitet sich die katholische Kirche auf die Wahl seines Nachfolgers vor. Das Konklave, die traditionelle und streng geheime Versammlung zur Papstwahl, wird in Kürze beginnen – voraussichtlich zwischen dem 6. und 11. Mai, da es laut Kirchenrecht 15 bis 20 Tage nach dem Tod des Papstes (Franziskus starb am 21. April) starten muss.

Wer wählt den neuen Papst?

Zur Wahl berechtigt sind alle Kardinäle der Weltkirche, die am Todestag des vorherigen Papstes jünger als 80 Jahre waren. Das sind nach aktuellen Angaben rund 135 Kirchenmänner. Papst Franziskus hat die Zusammensetzung dieses Wahlgremiums durch seine Ernennungen stark internationalisiert, mit einem größeren Gewicht für Kardinäle aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Experten erwarten daher ein besonders „spannendes“ Konklave, in dem „neue Kräfteverhältnisse austariert werden müssen“. Aus Europa stammen nur noch 53 der Wähler (davon drei aus Deutschland).

Wahlberechtigte Kardinäle nach Region
Grafik: Von Bacon Noodles, based on version by Starus – Eigenes Werk, derived from Conclave 2013 by continent.svg, CC BY-SA 3.0, Link

Der Ablauf: Isolation, Gebet und Stimmzettel

Das Konklave beginnt mit einer feierlichen Messe im Petersdom. Anschließend ziehen die wahlberechtigten Kardinäle in die Sixtinische Kapelle ein, die für die Dauer der Wahl ihr Arbeitsplatz wird. Mit dem Ruf „Extra omnes!“ („Alle hinaus!“) werden alle Nicht-Wahlberechtigten ausgeschlossen.

Der Sixtinischen Kapelle von der Kuppel des Petersdoms aus (2005, Maus-Trauden)
Foto: Von User Maus-Trauden on de.wikipedia – Originally from de.wikipedia; description page is (was) here, CC BY-SA 3.0, Link

Dann herrscht absolute Geheimhaltung und Isolation

Die Kardinäle schwören einen Eid, nichts aus dem Konklave preiszugeben – bei Bruch droht die Exkommunikation. Jeglicher Kontakt zur Außenwelt ist untersagt: keine Handys, kein Internet, kein TV, keine Zeitungen oder Post. Sogar Störsender unter dem Boden der Kapelle sollen Lauschangriffe verhindern. Übernachtet wird im vatikanischen Gästehaus Santa Marta.

Gewählt wird in geheimer Abstimmung

Am ersten Tag findet eine Wahlrunde statt, an den Folgetagen jeweils zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Eine Enthaltung ist nicht erlaubt. Um gewählt zu werden, benötigt ein Kandidat eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Stimmen.

Blick in den Kapellenraum der Sixtinischen Kapelle
Foto: Antoine Taveneaux – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Rauchzeichen und historische Anekdoten

Die Welt erfährt vom Stand der Wahl durch die berühmten Rauchzeichen: Nach jedem Wahlgang (bzw. nach zwei Wahlgängen am Vormittag/Nachmittag) werden die Stimmzettel verbrannt. Ist noch kein neuer Papst gewählt, wird dem Feuer ein chemischer Zusatz beigemischt, der schwarzen Rauch erzeugt. Ist die Wahl erfolgreich, steigt weißer Rauch auf, begleitet vom Läuten der Glocken des Petersdoms.

Weißer Rauch am Schornstein der Sixtinischen Kapelle, 2005
Foto: Vdp (edição) – Eigenes Werk (Trabalho próprio, minha edição), CC BY-SA 3.0, Link

Eine Zeitbegrenzung gibt es nicht, aber moderne Konklaven dauerten meist nur wenige Tage. Das längste der Geschichte (im 13. Jahrhundert in Viterbo) zog sich fast drei Jahre hin! Damals sperrten die Bürger die Kardinäle ein, kürzten die Verpflegung und deckten schließlich sogar das Dach ab, um eine Entscheidung zu erzwingen.

Wer KÖNNTE Papst werden?

Theoretisch kann jeder getaufte katholische Mann gewählt werden, praktisch fiel die Wahl seit dem 14. Jahrhundert aber immer auf einen der wählenden Kardinäle. Als mögliche Kandidaten („Papabile“) werden in Kirchenkreisen aktuell oft Namen wie Kardinal Pietro Parolin (70, der erfahrene vatikanische Staatssekretär), Kardinal Pierbattista Pizzaballa (60, der italienische Patriarch von Jerusalem) oder Kardinal Matteo Zuppi (Italien, sozial engagiert) genannt. Auch Kardinal Peter Turkson aus Ghana wird Chancen eingeräumt. Experten warnen aber vor zu frühen Festlegungen – Überraschungen seien, wie die Wahl von Franziskus selbst zeigte, immer möglich. Gefragt sei eine Persönlichkeit mit der richtigen Balance aus Standfestigkeit und Diplomatie.