Ein Rückblick und ein Apell für Frieden

Joe Bidens Abschiedsrede bei der UN-Vollversammlung: „Es gibt nichts, was unmöglich ist, wenn wir zusammenarbeiten“

Foto: Foto: UN Photo/Laura Jarriel

In einer emotionalen und eindringlichen Rede hat US-Präsident Joe Biden bei der UN-Vollversammlung seinen bevorstehenden Abschied von der internationalen Bühne angekündigt. Zum vierten und letzten Mal sprach er vor den Staats- und Regierungschefs der Welt, reflektierte seine jahrzehntelange politische Laufbahn und rief zur gemeinsamen Bewältigung der größten globalen Herausforderungen auf.

Vom Kalten Krieg bis zur Klimakrise: Bidens politische Reise

Biden eröffnete seine Rede mit einem persönlichen Rückblick auf seinen Beginn im US-Senat im Jahr 1972, als die Welt noch im Bann des Kalten Krieges stand. Er erinnerte an die nukleare Bedrohung und die langen Schatten des Vietnamkriegs, der die USA tief prägte. Trotz der Spannungen, so Biden, habe es immer wieder Momente des Optimismus und der Hoffnung gegeben, die es ermöglichten, Krisen zu überwinden.

Joseph R. Biden Jr., Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, ist auf dem Weg zu seiner letzten Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Joseph R. Biden Jr., President of the United States of America, walks to the podium to address the general debate of the General Assembly’s seventy-ninth session.

„Ich war jung, als ich in den Senat gewählt wurde, und ich habe in diesen Jahrzehnten unglaubliche Veränderungen erlebt,“ sagte Biden. Er erinnerte an den Fall der Apartheid, das Ende des Kalten Krieges und die wachsende globale Zusammenarbeit. „Heute sind Vietnam und die USA Freunde und Partner. Das zeigt, dass Versöhnung und Fortschritt immer möglich sind, wenn wir uns dafür entscheiden.“

Die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft

Biden betonte, dass die heutigen globalen Herausforderungen ebenso ernst wie vielfältig sind: Klimakrise, Krieg, Hunger und die Bedrohung der Demokratie stehen ganz oben auf der Liste. „Unsere Welt steht erneut an einem Wendepunkt,“ sagte Biden. „Wir haben es in der Hand, wie die Zukunft aussehen wird. Es liegt an uns, Aggressionen zu stoppen, Konflikte zu beenden und globale Krisen gemeinsam zu bewältigen.“

Besonders hob Biden die Bedeutung des Zusammenhalts in Zeiten der Krise hervor. Er verwies auf die Pandemie als Beispiel, wie internationale Zusammenarbeit Leben retten und eine globale Krise eindämmen kann. Diese Zusammenarbeit sei auch entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel, der bereits Millionen von Menschen weltweit betrifft.

Joseph R. Biden Jr., Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika appelliert eindringlich für globalen Frieden und Zusammenarbeit.

Joseph R. Biden Jr., President of the United States of America, addresses the general debate of the General Assembly’s seventy-ninth session.

Ein entschiedener Appell für den Frieden

Mit Nachdruck sprach Biden über den anhaltenden Krieg in der Ukraine und die Notwendigkeit, die Unterstützung für das ukrainische Volk aufrechtzuerhalten. „Wir dürfen unsere Unterstützung nicht schwächen, wir müssen uns der Aggression entgegenstellen,“ sagte Biden. „Die Ukraine ist noch immer ein freies Land, und die NATO steht stärker und geeinter denn je.“ Biden erinnerte daran, dass die NATO mit Finnland und Schweden zwei neue Mitgliedsstaaten hinzugewonnen hat, was die Bedeutung der Allianz unterstreicht.

Technologie und die Zukunft der Menschheit

Biden widmete einen Teil seiner Rede auch den Herausforderungen und Chancen, die die rasanten technologischen Entwicklungen mit sich bringen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). „Die KI birgt großes Potenzial, aber auch erhebliche Risiken,“ warnte Biden. „Wir müssen sicherstellen, dass diese Technologien verantwortungsvoll genutzt werden und dem Wohl der Menschheit dienen, nicht ihrer Spaltung.“

Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, sich der Herausforderung zu stellen, klare Regeln für den Umgang mit KI zu entwickeln und sicherzustellen, dass diese Technologien nicht in die falschen Hände geraten.

Ein Abschied mit Blick nach vorn

Zum Abschluss seiner Rede machte Biden deutlich, dass es nach Jahrzehnten im Dienst der USA und der Weltgemeinschaft nun an der Zeit sei, das Zepter an eine neue Generation weiterzugeben. „Es gibt nichts Wichtigeres, als das Volk, das wir vertreten,“ sagte Biden. „Die Macht liegt beim Volk, und unsere Aufgabe ist es, ihr zu dienen.“ Er erinnerte daran, dass Demokratie kein Privileg weniger, sondern ein Recht aller Menschen sei.

Joseph R. Biden Jr., Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hält seine letzte Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen während der 79. Sitzung und verabschiedet sich damit von der internationalen Bühne.

Joseph R. Biden Jr., President of the United States of America, addresses the general debate of the General Assembly’s seventy-ninth session.

Mit einem eindringlichen Appell schloss Biden seine Rede: „Es gibt nichts, was für uns unmöglich ist, wenn wir zusammenarbeiten.“ Dieser Gedanke, so Biden, müsse die Grundlage für den Umgang mit den Herausforderungen der Zukunft sein.

Diese letzte Rede vor der UN-Vollversammlung wird als bedeutender Schlusspunkt in Bidens politischer Laufbahn in Erinnerung bleiben – eine Rede, die die zentralen Themen und Kämpfe unserer Zeit auf den Punkt bringt und zugleich einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft wirft.