Neuzulassungen im Juli

Elektroauto-Boom vorbei? Dramatischer Einbruch bei Neuzulassungen überrascht Branche

Elektroauto beim Aufladen in Berlin (öffentliche Straße) – Nummernschild und Ladestations-Logo unecht

Foto: Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Mmovchin" title="User:Mmovchin">Michael Movchin</a> / <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Mueller_felix" title="User:Mueller felix">Felix Müller</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0">CC BY-SA 3.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27783265">Link</a>

Der einstige Höhenflug der Elektroautos in Deutschland scheint abrupt gebremst. Neue Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) offenbaren einen überraschenden Trend: Die Neuzulassungen von E-Autos sind im Juli 2024 regelrecht eingebrochen.

Während der Gesamtmarkt nur leicht schrumpfte, erlebten die Stromer einen dramatischen Absturz. Was steckt hinter diesem plötzlichen Wandel? Sind die Deutschen des elektrischen Fahrens bereits überdrüssig? Oder spielen andere Faktoren eine Rolle? Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Entwicklungen auf dem deutschen Automarkt und wirft einen Blick auf die möglichen Gründe für den unerwarteten Rückgang bei den E-Fahrzeugen.

Überraschende Zahlen: E-Auto-Neuzulassungen brechen ein

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Im Juli 2024 wurden insgesamt 238.263 Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Rückgang von 2,1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Doch während der Gesamtmarkt nur leicht schwächelte, erlebten die rein batterieelektrischen Fahrzeuge (BEV) einen regelrechten Absturz. Die Neuzulassungen in diesem Segment brachen um satte 36,8% ein! Eine unerwartete Entwicklung für die Branche, die noch vor kurzem vom E-Auto-Boom schwärmte.

Auch der Blick auf die ersten sieben Monate des Jahres stimmt nachdenklich: Hier verzeichneten die E-Autos einen Rückgang von 20,1% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die einstige Erfolgsgeschichte der Stromer scheint ins Stocken geraten zu sein.

Pkw-Neuzulassungen nach Antriebsarten

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Diesel und Benziner: Die alten Bekannten legen leicht zu

Interessanterweise konnten die klassischen Antriebsarten im Juli 2024 leichte Zuwächse verbuchen. Diesel-Pkw legten um 1,4% zu, während Benziner ein Plus von 0,1% verzeichneten. Sind die Deutschen also zurück zu den altbewährten Verbrennern? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Entwicklung?

Bemerkenswert ist auch die Situation bei den Plug-in-Hybriden. Diese Fahrzeuge, die sowohl elektrisch als auch mit Verbrennungsmotor fahren können, verzeichneten im Juli einen leichten Zuwachs von 3,2%. Im bisherigen Jahresverlauf steht sogar ein Plus von 11,7% zu Buche. Offenbar setzen viele Autofahrer auf diese Kompromisslösung zwischen alter und neuer Technologie.

Alarmsignale aus dem Autohandel: Privatkunden bleiben weg

Thomas Peckruhn, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und Sprecher des Fabrikatshandels in Deutschland, zeichnet ein düsteres Bild der aktuellen Situation: „Der BEV-Auftragseingang von Privatkunden ist zurzeit extrem schwach. Daher sehen wir keine Signale, dass sich die Situation bei den Zulassungen ändert.“

Eine Umfrage des ZDK unter Autohändlern untermauert diese Einschätzung. Sage und schreibe 91% der befragten Autohäuser schätzen die Bestellsituation bei E-Autos von Privatkunden im weiteren Jahresverlauf als „sehr schlecht“ (63%) oder „schlecht“ (28%) ein. Ein alarmierendes Signal für die gesamte Branche!

Bei gewerblichen Kunden sieht die Lage etwas besser aus. Viele Unternehmen setzen offenbar weiterhin auf E-Mobilität, um ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Doch reicht das aus, um den Einbruch bei den Privatkunden auszugleichen?

Gebrauchtwagenmarkt boomt: Greifen die Deutschen zur günstigen Alternative?

Während der Neuwagenmarkt schwächelt, erlebt der Gebrauchtwagenmarkt einen regelrechten Boom. Im Juli wechselten rund 592.000 Pkw den Besitzer – ein Plus von satten 15,8% im Vergleich zum Vorjahr. Auch in den ersten sieben Monaten des Jahres zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend: 3,857 Millionen Gebrauchtwagen fanden neue Besitzer, was einem Zuwachs von 9,7% entspricht.

Greifen die Deutschen angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten und der hohen Preise für Neufahrzeuge vermehrt zum Gebrauchtwagen? Oder spiegelt sich hier die Zurückhaltung beim Kauf von E-Autos wider?

Die aktuellen Zahlen werfen viele Fragen auf. Ist der E-Auto-Boom in Deutschland schon wieder vorbei, bevor er richtig begonnen hat? Oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Delle? Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich der Trend fortsetzt oder ob die Stromer wieder an Fahrt gewinnen.

Fest steht: Die deutsche Automobilbranche steht vor großen Herausforderungen. Der Weg in die elektrische Zukunft scheint steiniger zu sein als gedacht. Hersteller, Händler und Politik sind nun gefordert, die richtigen Weichen zu stellen, um das Vertrauen der Verbraucher in die E-Mobilität zu stärken und den Markt wieder anzukurbeln. Die Zukunft des Autolands Deutschland hängt maßgeblich davon ab, ob dieser Spagat gelingt.CopyRetry