Schwabenlandtower

Desaster in Baden-Württemberg: 10 Jahre Bauruine – Wird das höchste Hochhaus Baden-Württembergs je fertig?

Foto: Foto: Von <a href="//commons.wikimedia.org/wiki/User:Laserlicht" title="User:Laserlicht">Laserlicht</a> - <span class="int-own-work" lang="de">Eigenes Werk</span>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0" title="Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0">CC BY-SA 4.0</a>, <a href="https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=148323780">Link</a>

Es begann mit großen Träumen, doch nun ist es die wohl spektakulärste Bauruine in Baden-Württemberg. Seit 2014 steht der G-Tower, der einst das höchste Wohngebäude Baden-Württembergs werden sollte, unfertig in der Landschaft. Mit einer Höhe von 107 Metern sollte er Fellbach, eine Kleinstadt nahe Stuttgart, ein neues Wahrzeichen bescheren.

Heute, 10 Jahre später, gleicht der Turm eher einem Geistergebäude, das alle Hoffnungen auf luxuriöses Wohnen zerstört hat. Was ist geschehen? Und warum bleibt das gigantische Bauwerk bis heute unvollendet?

Große Träume – Der Beginn eines Mega-Projekts

Der Bau des G-Towers begann mit viel Aufsehen und einem ehrgeizigen Plan: 65 exklusive Eigentumswohnungen, ein Business-Hotel mit 110 Zimmern und ein Panoramablick über das Remstal und Stuttgart. Die Wohnungen sollten für Millionensummen verkauft werden, und der Turm sollte als moderner Wolkenkratzer Fellbach in die Top-Riege der deutschen Wohngebäude katapultieren. 2014 setzte man den Spatenstich, und die Bauarbeiten begannen vielversprechend. Doch schon bald wurde klar: Das Projekt steht auf wackeligen Füßen.

Gewa-Tower in Fellbach bei Stuttgart, Februar 2016
Gewa-Tower in Fellbach bei Stuttgart, Februar 2016
Foto: Von Dr. Bernd Gross – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Großer Traum, großer Fehler: Ein riskantes Finanzierungsmodell

Der G-Tower war nicht nur architektonisch ein gewagtes Projekt, sondern auch finanziell. Statt einer klassischen Finanzierung über Banken entschieden sich die Bauherren Michael und Mark Wabanow für einen hochriskanten Weg: Eine Anleihen-Platzierung an der Börse sollte das Projekt finanzieren. Was bedeutet das? Privatanleger wurden aufgefordert, in das Hochhaus zu investieren und sollten dafür einen verlockenden Zinssatz von 6,5 % erhalten.

Rund 35 Millionen Euro erlösten die Bauherren auf diese Weise. Das Problem? Die versprochene Sicherheit der Anlage entpuppte sich als Trugschluss. Die Bauherren betonten immer wieder, dass die Anleihen „absolut sicher“ seien, da das Hochhausprojekt durch eine erstrangige Grundschuld abgesichert sei. Doch genau diese Versprechen sollten sich bald als Luftschlösser herausstellen.

Ausblick auf Fellbach
Ausblick auf Fellbach
Foto: Martin Hahnoverviewdirectdataset, CC0, Link

Absturz in die Insolvenz

Im November 2016 folgte der Schock: Insolvenz! Der Bauherr meldete Konkurs an, und der Traum von Luxuswohnungen platzte. Die Baustelle wurde sofort stillgelegt, und der Turm blieb als Betongerippe zurück. Für die Investoren und Käufer der Wohnungen war dies ein Fiasko – viele verloren ihre Gelder, und bis heute ist der Turm unbewohnt. Wie konnte es so weit kommen? Wir beleuchten die Hintergründe dieses finanziellen und baulichen Desasters.

Proteste, Pannen und ein leeres Versprechen

Bereits vor dem Baustopp regte sich in Fellbach Widerstand. Die Bürgerinitiative „Fellbach ist nicht Manhattan“ sammelte Tausende Unterschriften gegen das Hochhaus-Projekt. Die Lage des Turms mitten in einem Gewerbegebiet an einer stark befahrenen Bundesstraße stieß vielen Anwohnern bitter auf. Doch trotz des Protests wurde der Bau genehmigt. Der damalige Bürgermeister und die Stadtverwaltung standen hinter dem Projekt – ein Fehler, wie sich später herausstellte. Die Opposition der Bürger wurde ignoriert, und das Bauprojekt ging weiter – bis es im Chaos versank.

Neue Hoffnung? Ein Berliner Milliardär kauft das Projekt

Nach der Insolvenz gab es dennoch Hoffnung: 2018 kaufte der Berliner Immobilienentwickler Christoph Gröner und seine CG-Gruppe das halbfertige Hochhaus. Gröner wollte das Projekt retten, jedoch mit einem neuen Konzept. Statt Luxuswohnungen sollten nun 194 Mietwohnungen entstehen, und auch das geplante Hotel sollte bleiben. Doch das Schicksal des G-Towers blieb düster. Zuerst verzögerte Corona die Bauarbeiten, dann geriet auch die CG-Gruppe in finanzielle Schwierigkeiten. Der Bau kam wieder zum Stillstand – und heute, im Jahr 2024, ist das Gebäude immer noch nicht fertig.

Foto: Von Laserlicht – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link

Wanderfalken statt Millionäre: Die kuriosen neuen Bewohner des Turms

Während Menschen seit Jahren auf die Fertigstellung warten, haben sich tierische Bewohner das Hochhaus als Zuhause ausgesucht. Ein Paar Wanderfalken hat den Turm für sich entdeckt und brütet dort seit mehreren Jahren. Für den NABU (Naturschutzbund) Fellbach ist dies ein kleiner Erfolg – für die Anwohner, die jeden Tag auf die Ruine blicken müssen, bleibt der Anblick jedoch ein Ärgernis. „Das ist keine Bauruine, das ist ein Schandfleck“, sagen viele, die in der Nähe wohnen.

Die Wanderfalken haben eine eigene Nistbox auf dem Dach des G-Towers erhalten, und regelmäßig können Vogelfreunde über eine Webcam das Leben der majestätischen Tiere beobachten. Doch das eigentliche Problem bleibt bestehen: Der Turm ist bis heute nicht fertiggestellt, und es ist unklar, wann dies jemals geschehen wird.

Millionen verloren, Pläne geplatzt – Wird der G-Tower jemals vollendet?

Die Zukunft des G-Towers bleibt weiterhin ungewiss. Ein Abriss des riesigen Bauwerks wäre extrem teuer, und auch der Weiterbau scheint immer wieder an neuen finanziellen Hürden zu scheitern. Die Investoren, die Käufer der Wohnungen und die Anwohner hoffen auf eine Lösung, doch der Weg dorthin scheint lang und steinig. Kann dieses Bau-Desaster jemals zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden, oder wird der G-Tower für immer als die größte Bauruine Baden-Württembergs in die Geschichte eingehen?

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