Neue Sicherheitsmaßnahmen für Zugpersonal

DB-Schulungen mit Bodycams

DB-Schulungen mit Bodycams
Foto: Zugschaffner am Bahnsteig, via dts Nachrichtenagentur

Unmittelbar vor einem bevorstehenden Sicherheitsgipfel hat die Deutsche Bahn bereits erste Maßnahmen ergriffen. Alle 5.200 Kundenbetreuer im Nahverkehr sowie die S-Bahn-Kontrolleure werden künftig obligatorisch im Umgang mit Bodycams geschult. Der Konzern hat zudem eine große Menge der Aufnahmegeräte auf Vorrat bestellt, um die Sicherheit des Personals zu erhöhen.

Bodycam-Pflicht für Zugbegleiter

Ab sofort sind Bodycam-Schulungen für alle 5.200 Kundenbetreuer im Nahverkehr (KiN) der Deutschen Bahn verpflichtend. Ebenso müssen alle Prüfer im Reisezug (PiR), wie die Kontrolleure bei der S-Bahn heißen, an den Schulungen teilnehmen. Dies geht aus einem Aushang des Gesamtbetriebsrats von DB Regio hervor, über den die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Die Bodycams werden nicht mehr nur auf Nachfrage bestellt, sondern sind nun in großer Stückzahl auf Vorrat gekauft worden. „Wir haben den kompletten Markt leer gekauft“, erklärt Ralf Damde, Gesamtbetriebsratschef von DB Regio. „Das ist ein wichtiges Signal.“ Die Nutzung bleibt jedoch weiterhin freiwillig.

Wirksames Instrument für Sicherheit

Der Gesamtbetriebsrat (GBR) betont, dass Bodycams nachweislich ein wirksames Instrument zur Deeskalation in gefährlichen Situationen darstellen. Nur durch regelmäßiges Tragen könne ihre volle Schutzfunktion entfaltet werden. Daher appelliert der GBR an alle Beschäftigten: „Bitte nutzt die Bodycam. Jede getragene Bodycam erhöht die Sicherheit und wirkt präventiv für alle.“

Mehr Personal gefordert

Die Kernforderung von Damde für den anstehenden Sicherheitsgipfel ist eine verbindliche Doppelbesetzung auf allen Regionalzügen. „Das wird Geld kosten“, so Damde zur SZ, „aber es ist gut investiert.“ Lange sei systematisch an der Personaldecke gespart worden. „Aber wenn es um Sicherheit geht, ist Geiz nicht geil“, fügt er hinzu. Er fordert zudem, Tonaufnahmen bei Bodycams zu ermöglichen, was bislang am Datenschutz scheitert.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und der Fahrgastverband Pro Bahn fordern unterdessen eine Aufstockung des Sicherheitspersonals. Laut Andreas Roßkopf, Vorsitzender des GdP-Bereichs Bundespolizei, fehlen gut 3.500 Kollegen, um präventiv an Bahnhöfen und Haltepunkten präsent zu sein und auch in den Zügen Streifen zu fahren. „Im Moment ist sie, rechtlich nicht in der Lage, Menschen zu kontrollieren, die sich an Bahnhöfen auffällig verhalten“, so Roßkopf. Pro Bahn fordert ebenfalls ausreichend öffentlich finanzierte und gut ausgebildete Sicherheitskräfte, die das Bahnhofsbild prägen.

Anlass: Tragischer Vorfall

Anlass für den Sicherheitsgipfel, der am Freitag in der Berliner Konzernzentrale der Deutschen Bahn stattfindet, ist der Tod eines 36-jährigen Zugbegleiters. Dieser war Anfang Februar in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden und erlag später seinen Verletzungen.