KI macht Betrüger schlagkräftiger
Die Bedrohung durch Cyberkriminalität hat nach Einschätzung des Bundeskriminalamts (BKA) erheblich zugenommen. „Vor allem die Cybercrime-Attacken aus dem Ausland steigen deutlich“, sagte BKA-Präsident Holger Münch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Moderne Software und Künstliche Intelligenz (KI) würden Betrugsmaschen wie Phishing immer raffinierter machen.
Deutschland im Visier weltweiter Täter
Deutschland belegt derzeit den vierten Platz der Zielländer für Online-Betrug. Im Vergleich zu den auf den ersten drei Plätzen liegenden englischsprachigen Ländern sei für deutsche Täter die Sprachhürde durch KI praktisch weggefallen. „Die Angreifer übersetzen ihre gefälschten Nachrichten einfach per Software ins Deutsche“, erklärte Münch.
BKA fordert mehr Befugnisse
Um der wachsenden Bedrohung im Cyberraum wirksam begegnen zu können, fordert das BKA mehr gesetzliche Handlungsspielräume. Münch verlangt eine bundesweite Grundlage, um gezielt auf Server krimineller Gruppierungen zur Gefahrenabwehr einwirken zu können. „Ähnlich wie bei Terrorismus lässt sich der Bedrohungslage im Cyberraum nur über eine solche Regelung auf Bundesebene angemessen entgegentreten.“
Schnelles Sperren von Infrastruktur
Ein Bundesland testet derzeit innovative Ansätze, um das Geschäftsmodell von Betrügern zu zerstören. Geplant ist, Telefonnummern und Webseiten von Tätern noch schneller sperren zu lassen. „So zerstören wir das Geschäftsmodell der Betrüger“, betonte Münch.
Daten besser vernetzen
Zudem sei eine verbesserte Automatisierung und Zentralisierung des Datenaustauschs über Straftäter innerhalb der Polizei notwendig. Münch plädiert dafür, dass diese Daten „losgelöst von der Schwere der Straftat“ in eine gemeinsame Verbunddatei eingespeist werden können. Nur so könnten kriminelle Netzwerke erkannt werden, anstatt nur einzelne Fälle vor Ort zu sehen, so der BKA-Chef.
