Baden-Württemberg will Unternehmen stärker für Geschäfte und Investitionen in Afrika gewinnen. Beim fünften Wirtschaftsgipfel Afrika am 6. Oktober auf der Messe Stuttgart rückt das Wirtschaftsministerium vor allem neue Märkte, widerstandsfähigere Lieferketten und Kooperationen in Zukunftsbranchen in den Mittelpunkt.
Handel mit Afrika: Importe liegen über den Exporten
Die Handelszahlen zeigen zugleich, wie überschaubar das Geschäft bislang gemessen an der Größe des Kontinents ist. 2025 exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von rund 3,1 Milliarden Euro nach Afrika. Die Einfuhren lagen mit etwa 5,5 Milliarden Euro deutlich höher. Wichtigster Handelspartner auf dem Kontinent bleibt Südafrika, gefolgt von den nordafrikanischen Staaten.
Bei den Ausfuhren dominieren Kraftfahrzeuge, Maschinen sowie pharmazeutische und chemische Produkte. Auf der Importseite nennt das Land vor allem Erdöl und Gas, Agrarprodukte sowie zunehmend Fahrzeugteile aus südafrikanischer Produktion. Für den stark exportorientierten Südwesten ist Afrika damit nicht nur als Absatzmarkt interessant: Der Kontinent spielt auch bei Rohstoffen, Energie und der Diversifizierung internationaler Lieferketten eine Rolle.
Vier Branchen stehen besonders im Fokus
Das Wirtschaftsministerium sieht konkrete Chancen insbesondere in Mobilität, Energie, Weiterbildung und Gesundheitswirtschaft. Staatssekretär Thomas Dörflinger verwies zudem auf Wasser- und Abwassertechnik, Agrobusiness und Smart Health. Eine wachsende Bedeutung misst das Land Afrika außerdem beim Aufbau einer weltweiten Wasserstoffwirtschaft bei.
Der Gipfel soll deshalb nicht bei allgemeinen politischen Appellen stehen bleiben. Unternehmen und Institutionen sollen Kontakte knüpfen und konkrete Möglichkeiten für Handel und Investitionen ausloten. Beteiligt sind unter anderem der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag, der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft, Auslandshandelskammern, Germany Trade and Invest, Baden-Württemberg International und die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg.
Ansprechpartner direkt in Afrika
Für Unternehmen aus Baden-Württemberg unterhält das Land Wirtschaftsrepräsentanzen in Johannesburg und Durban für das südliche Afrika sowie in Addis Abeba für Ostafrika. Sie unterstützen beispielsweise beim Markteintritt, beim Aufbau von Geschäftskontakten und mit Erstberatungen.
Das wirtschaftliche Potenzial ist auch demografisch erheblich: In den 54 afrikanischen Staaten leben derzeit mehr als 1,5 Milliarden Menschen. Nach Angaben des Landes dürfte sich die Bevölkerung bis 2050 nahezu verdoppeln. Für Baden-Württemberg geht es damit langfristig um die Frage, wie früh Unternehmen neue Absatzmärkte erschließen und ihre internationale Abhängigkeit breiter verteilen können.



