Geballte Probleme bringen Traditionsunternehmen zu Fall
Das Druckhaus Kaufmann, wie sich nun herausstellt, kämpfte schon länger mit den Herausforderungen der Branche. Seit Jahren macht die Digitalisierung den Druckereien zu schaffen. Dazu kamen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die zu massiven Umsatzeinbrüchen führte. Der Ukraine-Krieg verschärfte die Lage weiter: Explodierende Preise für Energie und Papier setzten die Druckereien zusätzlich unter Druck.
Die anhaltende Konjunkturschwäche gab dem Lahrer Unternehmen schließlich den Rest. Viele Kunden reduzierten ihre Aufträge oder stornierten sie ganz. Im Vergleich zu 2019 hat sich das Druckvolumen für Zeitschriften und Kataloge in der gesamten Branche nahezu halbiert.
Dominoeffekt in der Branche
Besonders hart traf das Druckhaus Kaufmann der Verlust wichtiger Großkunden wie zum Beispiel dem Weck-Verlag, der im letzten Jahr ebenfalls Insolvenz anmelden musste. Dieser Dominoeffekt zeigt, wie eng die Schicksale in der Branche miteinander verwoben sind.
Rettungsversuche in letzter Minute gescheitert
Die Geschäftsführung von Kaufmann kämpfte bis zuletzt um den Erhalt des Traditionsunternehmens. Seit Anfang 2024 wurden umfangreiche Sparmaßnahmen eingeleitet und Kurzarbeit eingeführt. Parallel liefen Verhandlungen mit einem strategischen Investor. Doch Anfang Juli zog dieser sein Übernahmeangebot zurück. Damit blieb keine andere Wahl mehr, als Insolvenz anzumelden.
Wie geht es weiter für die 180 Mitarbeiter?
Das Amtsgericht Offenburg hat einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb soll vorerst weiterlaufen. Die Löhne und Gehälter der 180 Mitarbeiter sind durch das Insolvenzgeld zunächst gesichert. Ob und wie es danach weitergeht, ist noch offen.
Strukturwandel trifft ganze Branche
Die Insolvenz des Druckhauses Kaufmann ist ein weiteres Beispiel für den harten Strukturwandel in der Branche. Selbst Unternehmen mit über 200-jähriger Geschichte sind vor dem Aus nicht gefeit. Für die Region Lahr wäre eine Schließung ein herber Verlust.
Branchenexperten sehen in der Pleite ein Warnsignal für die gesamte Industrie. Die Digitalisierung und die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen treffen die Druckbranche mit voller Wucht. Es wird in den nächsten Jahren wohl noch weitere Insolvenzen in diesem Sektor geben.
Für die Mitarbeiter und ihre Familien beginnt nun eine Zeit der Ungewissheit. Viele hoffen, dass sich im Insolvenzverfahren doch noch eine Lösung findet, um zumindest einen Teil der Arbeitsplätze zu retten. Die Gewerkschaft ver.di hat bereits Unterstützung zugesagt und will sich für den Erhalt möglichst vieler Jobs einsetzen.
Das Aus des Druckhauses Kaufmann in Lahr ist nicht nur ein Schlag für die direkt Betroffenen, sondern wirft auch Fragen zur Zukunft der gesamten Branche auf. Kann das klassische Druckgewerbe in Zeiten der Digitalisierung überleben? Welche Strategien braucht es, um Arbeitsplätze und Know-how zu erhalten? Die Antworten darauf werden die Zukunft einer ganzen Industrie prägen.


