Rund 2,2 Millionen Menschen können sich keine Reise leisten
Grundlage der Zahlen ist die Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen, kurz EU-SILC, für das Jahr 2025. Demnach fehlten rund 2,2 Millionen Menschen in Baden-Württemberg die finanziellen Möglichkeiten für eine einwöchige Urlaubsreise. Im Jahr zuvor waren es noch 2,3 Millionen.
Der Rückgang klingt zunächst positiv, verändert das Gesamtbild aber kaum. In beiden Jahren entsprach die Zahl ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung. Das Statistische Landesamt warnt deshalb ausdrücklich davor, aus einzelnen Veränderungen bereits einen klaren Trend abzuleiten. Seit 2022 schwankt der Anteil nur geringfügig um die 20-Prozent-Marke.
Alleinerziehende trifft es besonders hart
Am stärksten betroffen sind Alleinerziehende. Rund 37 Prozent von ihnen konnten sich 2025 nach eigenen Angaben keine einwöchige Reise leisten. Das entspricht etwa 198.000 Menschen.
Schon 2024 lag der Anteil ebenfalls bei rund 37 Prozent, damals waren etwa 189.000 Personen betroffen. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Situation etwas verbessert: Damals konnten sich noch rund 43 Prozent der Alleinerziehenden keinen Urlaub leisten.
Dass Alleinerziehende finanziell besonders unter Druck stehen, zeigt sich auch in anderen Debatten über Familienpolitik. In Baden-Württemberg wird etwa immer wieder darüber diskutiert, wie stark einzelne Familienformen von bestehenden Entlastungen profitieren. Eine Familienexpertin warnte zuletzt vor sozialen Kürzungen und besonderen Belastungen für Alleinerziehende.
Kein klarer Aufwärtstrend
Die Zahlen zeigen zwar leichte Verbesserungen, aber keine grundlegende Wende. Der Anteil der Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, bleibt seit mehreren Jahren nahezu konstant.
Das ist bemerkenswert, weil eine Urlaubsreise in der Statistik nicht als Luxusreise definiert wird. Entscheidend ist lediglich, ob sich eine Person finanziell eine Woche außerhalb des eigenen Zuhauses leisten kann. Wer darauf verzichten muss, gilt in dieser Kategorie als materiell eingeschränkt.
Gerade deshalb ist der Anteil von rund einem Fünftel der Bevölkerung ein deutlicher Hinweis darauf, wie eng die finanziellen Spielräume vieler Haushalte weiterhin sind.
Was die Zahlen aussagen – und was nicht
Die Statistik misst nicht, ob Menschen freiwillig zu Hause bleiben oder grundsätzlich gern verreisen. Gefragt wird, ob sie sich eine einwöchige Urlaubsreise finanziell leisten könnten.
Damit ist die Kennzahl ein Indikator für materielle Lebensbedingungen. Sie sagt allerdings nichts darüber aus, wie teuer eine Reise konkret wäre, wohin sie führen würde oder welche Art von Unterkunft gemeint ist.
Auch bedeutet der leichte Rückgang von 2,3 auf 2,2 Millionen Betroffenen nicht automatisch, dass sich die finanzielle Situation vieler Haushalte nachhaltig verbessert hat. Das Statistische Landesamt betont ausdrücklich, dass die Werte seit Jahren nur gering schwanken.
Die wichtigsten Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Menschen ohne finanzielle Möglichkeit für eine Woche Urlaub 2025 | ca. 2,2 Mio. |
| Anteil an der Bevölkerung | rund 20 % |
| Betroffene 2024 | ca. 2,3 Mio. |
| Anteil Alleinerziehende 2025 | rund 37 % |
| Betroffene Alleinerziehende 2025 | ca. 198.000 |
| Anteil Alleinerziehende 2022 | rund 43 % |
Warum gerade Urlaub ein wichtiger Indikator ist
Ob sich ein Haushalt eine Woche Urlaub leisten kann, gehört zu den Fragen, mit denen materielle Lebensbedingungen erfasst werden. Es geht dabei nicht nur um Freizeit, sondern um die Frage, wie viel finanzieller Spielraum nach Miete, Energie, Lebensmitteln und anderen laufenden Kosten überhaupt noch bleibt.
Wenn jeder fünfte Mensch im Land angibt, dafür nicht genügend Geld zu haben, zeigt das, dass finanzielle Belastungen längst nicht nur einzelne Randgruppen betreffen.
Besonders deutlich wird das bei Alleinerziehenden: Ihr Anteil liegt mit 37 Prozent erheblich über dem Landesdurchschnitt.
Keine schnelle Entspannung in Sicht
Aus den vorliegenden Zahlen lässt sich keine Prognose für 2026 ableiten. Klar ist aber: Die Quote bewegt sich seit 2022 stabil um die 20-Prozent-Marke.
Damit bleibt die Frage, wer sich Urlaub leisten kann und wer nicht, auch in einem wirtschaftlich starken Bundesland wie Baden-Württemberg ein relevantes soziales Thema.
Die aktuelle Mitteilung des Statistischen Landesamts macht vor allem eines deutlich: Für Millionen Menschen ist eine Woche Verreisen keine Selbstverständlichkeit. Und für Alleinerziehende bleibt die Belastung besonders hoch.





