Strategisches Schweigen brach mit Iran-Drohung
Der italienische Vatikanexperte Piero Schiavazzi vom Lehrstuhl für vatikanische Geopolitik an der Link Universität in Rom konstatiert eine bemerkenswerte Entwicklung im Wirken von Papst Leo XIV. Nach Einschätzung des Experten hat sich der Papst zu einem „politischen Führer von Weltrang entwickelt“. Dies sei insbesondere vor dem Hintergrund der wiederholten öffentlichen Attacken von US-Präsident Donald Trump zu sehen.
Schiavazzi betont, dass Trumps Angriffe die Autorität des Papstes eher gestärkt als geschwächt hätten. Der Papst selbst habe aber lange eine direkte Konfrontation vermieden. Die Gründe liegen laut Schiavazzi in der komplexen Beziehung zwischen dem Vatikan und den US-Katholiken. Viele Gläubige in den Vereinigten Staaten unterstützen Trump, und die US-Kirche ist zudem finanziell von großer Bedeutung für den Vatikan.
„Eine offene Konfrontation hätte die katholische Gemeinde in den USA gespalten“, erklärt Schiavazzi. Erst durch Trumps Drohungen gegen das iranische Volk habe der Papst das Wort ergriffen. Dabei habe Leo bewusst „als Amerikaner zu seinen Landsleuten gesprochen“. Dieses Statement sei ein deutliches Zeichen dafür, dass der Papst erstmals wie ein Politiker agiert habe.
Zwei Weltsichten prallen aufeinander
Der beobachtete Konflikt zwischen dem Pontifex und dem US-Präsidenten spiegelt laut Schiavazzi einen tieferen Gegensatz wider. „In den USA prallen derzeit zwei Vorstellungen von Christentum und politischer Verantwortung aufeinander“, analysiert der Vatikanexperte. Während dem Lager um Trump eine religiöse Legitimierung von Krieg zugeschrieben wird, stelle Leo moralische Grenzen staatlicher Macht in den Vordergrund.
Die Reaktionen Trumps zeigten dabei, wie groß der Einfluss des Papstes inzwischen sei. „Gerade der Angriff des Präsidenten macht Leo stärker“, so Schiavazzi. Der Papst habe sich damit als Gegengewicht zu Trumps Politik positioniert.




