Zu wenig Wirkung, zu spät begonnen

Vermögensverwalter kritisieren die Rentenpolitik der Ampel

Foto: Bundestag (Archivbild), Symbolbild – via dts Nachrichtenagentur

Die Chefs von Union Investment und Lupus Alpha üben scharfe Kritik an der aktuellen Rentenpolitik der Bundesregierung. Insbesondere die „Frühstartrente“ sei ein Tropfen auf den heißen Stein. Man müsse jetzt dringend die private und betriebliche Vorsorge stärken, da der Staat offenbar das Vertrauen verloren habe.

Kritik an der neuen „Frühstartrente“

Zehn Euro mehr pro Monat ab 60 Jahren – das reicht nach Meinung von Experten nicht aus, um jüngeren Menschen eine echte finanzielle Perspektive im Alter zu eröffnen. Ralf Lochmüller, Geschäftsführer des Fondshauses Lupus Alpha, bezeichnete die neue „Frühstartrente“ im Interview mit dem Wirtschaftsmagazin Capital als zu wenig wirksam. Seiner Ansicht nach müssten unbegrenzte Zuzahlungen möglich sein, damit das Instrument seinen Zweck erfüllen könne.

„Die Frühstartrente macht erst dann richtig Sinn, wenn man sie mit dem Altersvorsorgedepot zusammen denkt“, ergänzt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Er plädiert dafür, die private Altersvorsorge über einen deutlich längeren Zeitraum von sechs bis 66 Jahren zu betrachten.

Jüngere setzen auf den Kapitalmarkt – aber riskant

Laut Reinke lässt sich in aktuellen Statistiken ein Trend erkennen: Jüngere Deutsche sind demnach vermehrt am Kapitalmarkt aktiv. Das zeige, dass sie der gesetzlichen Rente nicht mehr vertrauen und die Notwendigkeit der eigenen Vorsorge erkannt haben. Allerdings würden sie dabei oft zu risikoreichen Anlagen wie alternativen Investments oder gar Kryptowährungen greifen. Reinke sieht hier einen deutlichen Mangel an finanzieller Bildung, der zu kostspieligen Fehlentscheidungen führen könne.

Reform der Altersvorsorge: Zu spät für den Staatsfonds

Lochmüller kritisiert zudem, dass frühere Bundesregierungen versagt hätten, die Altersvorsorge grundlegend zu reformieren. „Die erste Säule, also die umlagefinanzierte gesetzliche Rente, lässt sich nicht reformieren. Zum Leidwesen der jungen Generation“, so Lochmüller. Ein von ihm ins Spiel gebrachter Staatsfonds, dessen Dividenden zur Rentenzahlung dienen würden, hält er für unrealistisch. „Für diesen Weg ist es meines Erachtens zu spät. Mit dem Aufbau eines Staatsfonds hätten wir vor 30 Jahren anfangen sollen, wie andere Länder auch.“

Betriebliche Vorsorge soll gestärkt werden

Während Reinke eine Stärkung der privaten Altersvorsorge anstrebt, spricht sich Lochmüller für eine verbesserte betriebliche Altersvorsorge aus. „Sie hat eine große Akzeptanz in der Bevölkerung. Hier muss es eine möglichst große Verbreitung geben, bis zu 90 Prozent.“