Keine Gewähr für Ende der Grönland-Krise

Pistorius warnt vor Trump: „Unvorhersehbarkeit wird unvorhersehbarer“

Pistorius warnt vor Trump: „Unvorhersehbarkeit wird unvorhersehbarer“
Foto: Luftaufnahme von Grönland. (Archivbild)

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sieht die Grönland-Krise mit Donald Trump keineswegs als beendet an. Er betont die zunehmende Unberechenbarkeit des US-Präsidenten und fordert von Europäern ein mutiges Auftreten, frei von Angst vor dessen Drohungen. Die USA seien weiterhin auf Europa und die NATO angewiesen, so Pistorius.

Grönland-Krise ungelöst? Pistorius äußert Bedenken

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) macht wenig Hoffnung auf eine schnelle Entschärfung der diplomatischen Spannungen rund um Grönland, die durch Donald Trumps Pläne ausgelöst wurden. Angesprochen auf die Frage, ob die Gefahr durch Trumps frühere Annexionswünsche nach den Gesprächen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte gebannt sei, gab sich Pistorius bedeckt: „Das wissen wir nicht.“ Er räumte ein, dass vor einem Monat kaum jemand die Möglichkeit in Betracht gezogen hätte, dass der US-Präsident gar militärische Gewalt in Bezug auf die dänische Insel erwägen würde.

Abkommen bleibt bestehen: USA können Truppen aufstocken

Das „Kuriose“ an den Gesprächen mit Rutte sei laut Pistorius, dass es schlichtweg nichts Neues zu vereinbaren gab. Das bestehende Abkommen zwischen den USA und Dänemark aus dem Jahr 1951, welches den Amerikanern erlaubt, ihr militärisches Personal auf Grönland jederzeit aufzustocken, bleibe weiterhin in Kraft. Hier liege der Knackpunkt, der die Situation so angespannt halten könne.

Furchtlosigkeit statt Einschüchterung – Europas Antwort auf Trump

Pistorius appellierte an die Europäer, Trumps Methoden der Verunsicherung und Angst zu widerstehen. Erst kürzlich hätten die Europäer den Zolldrohungen Trumps im Zuge der Grönland-Pläne selbstbewusst entgegengesteuert. „Dieser Spirit sollte uns in Zukunft leiten“, mahnte der Minister. „Trump setzt auf Verunsicherung und Angst, um seine Ziele zu erreichen. Aber wer Angst hat, trifft falsche Entscheidungen. Also lassen wir uns ja gerade nicht einschüchtern.“

Gegenseitige Abhängigkeit: USA brauchen Europa, Europa braucht die USA

Der Verteidigungsminister zeigte sich indes überzeugt von der bestehenden und auch zukünftigen Notwendigkeit einer engen transatlantischen Partnerschaft. Die AIR Base Ramstein sei ein entscheidender Stützpunkt der US-Luftwaffe außerhalb der Vereinigten Staaten. „Auch die USA hätten ein Interesse an unserer engen Partnerschaft.“ Es gebe derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass die USA die NATO verlassen wollen würden. Der nukleare Schutzschirm der USA stelle auch in der neuen Verteidigungsstrategie keine Frage dar.

Europa als Puffer – Putins strategisches Interesse

Sollte es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gelingen, die USA aus Europa zu verdrängen, würde Europa de facto zu Russlands Einflusssphäre. „Dann lägen die USA zwischen Russland und China“, so Pistorius. Dieses Szenario sei eindeutig nicht im strategischen Interesse Washingtons und unterstreiche die Bedeutung der NATO und der engen Bindung zu Europa.