Soldaten zur Offenheit aufgerufen
Oberst Martin Holle appelliert an seine rund 1.700 Soldaten im rheinland-pfälzischen Zweibrücken: „Nur wer sich einbringt, kann etwas verändern.“ So umschreibt der neue Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 26 in einem internen Schreiben die Notwendigkeit eines „Neuanfangs“. Der Hintergrund sind gravierende Missstände, die jüngst aufgedeckt wurden und das Regiment bundesweit in die Schlagzeilen brachten.
Dunkelfeldstudie im Eiltempo
Um die interne Situation zu erfassen, ordnete Holle eine „anonyme und freiwillige Umfrage zur inneren und sozialen Lage im Regiment“ an. Dies kommt der vom Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angeordneten Dunkelfeldstudie zur Verbreitung sexueller Belästigung in der Bundeswehr zuvor.
Sexuelle Belästigung und rechte Umtriebe
Das Regiment steht wegen umfangreicher Disziplinarermittlungen am Pranger. Aufgefallen waren Fälle von sexueller Belästigung, rechten Umtrieben und Drogenmissbrauch. Aktuell gelten 55 Soldaten als Beschuldigte, gegen 16 von ihnen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Neun Soldaten wurden bereits entlassen, weitere sollen folgen.
Keine Schuldzuweisungen an die Medien
Holle erteilt Spekulationen, die Medien seien für den Imageschaden verantwortlich, eine klare Absage. Zwar bezeichnete er die Berichterstattung als „sehr negativ, aber leider in großen Teilen zutreffend“, doch die Ursache sei „das Fehlverhalten einiger weniger unter uns, die unsere Leistungen, unseren Namen und unsere Kameradschaft in den Dreck gezogen haben“, so der Kommandeur weiter.
Aktionsplan für die Luftlandetruppe
Als Reaktion auf den Skandal wird der Inspekteur des Heeres am kommenden Mittwoch einen umfassenden Aktionsplan für die Luftlandetruppe vorstellen. Geplant sind verschärfte Dienstaufsicht, strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Führbarkeit und verbesserte Präventionsprogramme, um künftige Vorkommnisse in Zweibrücken zu verhindern.


