Premiere im Ländle

Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg: 1.184 Kandidaten – erstmals mit neuem Wahlsystem

Abgeordnete des Landtags von Baden-Württemberg heben in einer Plenarsitzung die Hände zur Abstimmung. Im Hintergrund ist das Landeswappen Baden-Württembergs zu sehen, während Redner an einem Podium stehen.
Foto: Foto: Landtag Baden-Württemberg

Das Rennen um die Sitze im Stuttgarter Landtag ist eröffnet: Landeswahlleiterin Cornelia Nesch hat die offiziellen Bewerberzahlen für die Wahl am 8. März bekannt gegeben.

Warum Landtagswahl 2026 in Baden Württemberg besonders ist

Baden-Württemberg steht vor einer historischen Weichenstellung. Wenn die Bürger im März an die Urnen gerufen werden, ist vieles anders als in den Jahrzehnten zuvor. Erstmals gilt das neue Zweistimmenwahlrecht, was die politische Landschaft im Südwesten grundlegend verändert und die Parteien vor völlig neue strategische Herausforderungen gestellt hat. Insgesamt 1.184 Personen werben nun offiziell um das Vertrauen der Wähler. Das sind zwar deutlich weniger als noch vor fünf Jahren (1.485 Bewerber), doch die Intensität des Wettbewerbs ist durch das neue System sogar gestiegen.

Wer tritt an? Die Mischung aus Routine und Jugend

Die demografische Bandbreite der Kandidaten bildet einen Querschnitt der Gesellschaft ab. Die älteste Bewerberin ist 73 Jahre alt und tritt für das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) an, während der älteste männliche Kandidat stolze 82 Jahre zählt und für das Bündnis C ins Rennen geht. Auf der anderen Seite drängt die nächste Generation mit Macht in die Politik: Die Linke setzt ein deutliches Zeichen für die Jugend und schickt sowohl eine 18-jährige Bewerberin als auch einen 18-jährigen Bewerber ins Rennen.

Insgesamt bewerben sich 790 Männer, 390 Frauen und vier diverse Personen um ein Mandat. Damit bleibt die Politik im Land weiterhin männlich dominiert, auch wenn sich in einzelnen Fraktionen Verschiebungen abzeichnen.

Das neue Wahlsystem: Premiere für die Zweitstimme

Bisher war die Landtagswahl in Baden-Württemberg für ihr einzigartiges Ein-Stimmen-System bekannt. Damit ist nun Schluss. Die Reform soll das Verfahren an den Bund anpassen und für mehr Gerechtigkeit sorgen. Die 1.184 Bewerber verteilen sich unterschiedlich auf die neuen Stimmzettel:

  • 531 Personen kandidieren nur in einem der 70 Wahlkreise für das Direktmandat (Erststimme).
  • 177 Personen stehen ausschließlich auf einer Landesliste (Zweitstimme).
  • 476 Kandidaten nutzen die „Doppelchance“ und treten sowohl im Wahlkreis als auch auf der Liste an, um ihre Chancen auf einen Sitz zu maximieren.

Interessant ist auch die Rolle der Einzelbewerber: In fünf Wahlkreisen treten Personen völlig ohne Parteirücken an, um als Direktkandidaten den Einzug zu schaffen – ein schwieriges, aber demokratisch wichtiges Unterfangen.

Frauenanteil und Parteien-Check

Ein zentraler Aspekt der Analyse bleibt die Repräsentation der Geschlechter. In den 70 Wahlkreisen liegt der Frauenanteil bei den Erststimmen-Bewerbern bei rund 31 Prozent – ein moderater Anstieg im Vergleich zu 2021 (27 %). Schaut man sich jedoch die Landeslisten der 21 zugelassenen Parteien an, klafft die Schere weit auseinander. Während die Grünen (50 %) und die CDU (50,7 %) fast exakt paritätisch besetzt sind, fällt die AfD mit lediglich 11,7 % Frauenanteil auf ihren Listenplätzen deutlich ab. Die Linke führt das Feld mit 57,7 % Frauenanteil statistisch an.

Vielfalt abseits der großen Namen

Neben den etablierten Kräften wie Grüne, CDU, SPD, FDP und AfD, die in allen 70 Wahlkreisen vertreten sind, bereichern viele kleinere Gruppierungen das Feld. Parteien wie die KlimalisteBW, die Partei der Humanisten oder die Partei für Verjüngungsforschung treten ausschließlich mit einer Landesliste an. Andere, wie Volt, versuchen in immerhin 45 Wahlkreisen direkt zu punkten. Diese Vielfalt zeigt, dass trotz sinkender Gesamtzahl der Bewerber das Interesse an politischer Mitgestaltung in Baden-Württemberg ungebrochen ist.

Wie geht es jetzt weiter?

Mit der offiziellen Bestätigung der Listen durch den Landeswahlausschuss beginnt nun die heißeste Phase des Wahlkampfs. Die Wähler müssen sich in den kommenden Wochen nicht nur mit den Inhalten, sondern auch mit der Handhabung der zwei Stimmen vertraut machen. In den Städten und Gemeinden werden nun die Plakate platziert, bevor am 8. März die Entscheidung fällt, wer die Geschicke des Landes in den kommenden fünf Jahren lenken wird.