Snyder kritisiert auch Musk und AfD

Historiker sieht Parallelen zu Nazi-Methoden bei Trump

Foto: Donald Trump (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Der renommierte US-Historiker Timothy Snyder zieht beunruhigende Vergleiche zwischen dem Regierungsstil Donald Trumps und den Methoden der Nationalsozialisten. Besonders kritisch äußert er sich zu Elon Musk und dessen Rolle bei der Verbreitung von Inhalten auf X. Auch die AfD gerät ins Visier Snyders, der sie als Instrument amerikanischer Tech-Oligarchen sieht.

Bilder der SS und weiße Nationalisten

US-Historiker Timothy Snyder sieht beunruhigende Parallelen zwischen dem Regierungsstil von Ex-Präsident Donald Trump und den Methoden der Nationalsozialisten. Als Beispiel nannte Snyder in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) einen ranghohen US-Beamten, der bei einem gewaltsamen Vorgehen der Grenzschutzbehörde ICE in Minneapolis Kleidung trug, die an SS-Uniformen erinnerte. Dieser Beamte, so Snyder, stilisiere sich bewusst „als Himmler oder Heydrich“. Auch im Internetauftritt von US-Ministerien seien Inhalte zu finden, die als „Chiffren für weißen Nationalismus oder Faschismus“ interpretiert werden könnten.

Musk und die Nazi-Inhalte auf X

Besonders scharfe Kritik übt Snyder am Multimilliardär Elon Musk, den er als „vielleicht einflussreichsten Person Amerikas“ bezeichnet. Laut Snyder habe Musk die Regeln seiner Plattform X derart verändert, dass die Verbreitung von Nazi-Inhalten erleichtert werde. Eine Geste Musks, die als Hitlergruß gedeutet wurde, sei eindeutig als solche zu werten, da sie eben ein Hitlergruß war. „Es ist schon lustig zu beobachten, wie manche versuchen, sichtbare Dinge nicht zu sehen“, kommentierte Snyder ironisch.

Keine Banalisierung des Holocaust

Dem in Deutschland verbreiteten Argument, Nazi-Vergleiche seien unzulässig und würden den Holocaust bagatellisieren, widerspricht Snyder entschieden. Die Annahme, „dass solche Dinge anderswo nicht auch passieren können“, sei eine Form des „negativen nationalen Exzeptionalismus“. Geschichte zu erforschen bedeute, Lehren für die Gegenwart zu ziehen. Wer den Holocaust ernst nehme, müsse alle Elemente erforschen, die ihn ermöglichten, um die Gegenwart besser zu verstehen. Ansonsten mache man die historische Erforschung des Holocausts nutzlos.

Deutschland und die AfD im Fokus

Snyder warnt, dass derzeit „eine ziemliche Anzahl von Amerikanern in führenden Positionen“ das Dritte Reich als positives Beispiel betrachte. Eine Analyse dieser Personen sei nur möglich, wenn man sich mit Wissen über das Dritte Reich auseinandersetze. Es sei eine „Perversion“, Widerstand gegen Faschismus leisten zu wollen und sich gleichzeitig nicht mit ihm beschäftigen zu wollen.

Angesichts imperialer Tendenzen in Amerika, Russland und China betont Snyder die Bedeutung der Europäischen Union als Alternativmodell. Die EU sei wichtig, weil sie eine „große integrierte Zone“ anstrebe, die nicht auf Ausbeutung beruhe. Er kritisiert, dass viele europäische Nationen das Potenzial ihrer Union nicht erkennen würden und ihre „größten Konkurrenten Imperien“ seien.

Deutschland nehme in dieser Gemengelage eine zentrale Rolle ein. „Ob es in der Welt Demokratie geben wird, hängt von Europa ab, und Europa hängt von Deutschland ab.“ Dies sei für Deutsche oft „nicht bequem“, da sie sich an die Vorstellung gewöhnt hätten, „nicht führen“ zu sollen. Versäumten sie diese Führungsrolle, würden sie die Macht vollständig in die Hände der Amerikaner und Russen legen.

Die AfD sei deshalb besonders gefährlich, weil sie mit „amerikanischen Social-Media-Oligarchen“ zusammenarbeite und „den deutschen Informationsraum beherrschen“ wolle. Snyder betrachtet die AfD weniger als deutsche Partei, sondern „als ein Instrument der amerikanischen Tech-Giganten“. Musk und der US-Vizepräsident J.D. Vance unterstützten die AfD, um die EU aufzubrechen und die Regeln zur Kontrolle digitaler Medien zu umgehen. Die Unterstützung der AfD sei Teil eines „Projekts zur Zerstörung der europäischen Demokratien und der EU“.