Zehn Jahre bis zur eigenen Abwehr
Die Leiterin des Berliner Büros des Thinktanks European Council on Foreign Relations (ECFR), Jana Puglierin, sieht eine langfristige Herkulesaufgabe für Europa. Besonders in strategischen Schlüsselbereichen, in denen europäische Armeen bislang stark von den USA abhängig sind, besteht Nachholbedarf. Dazu zählen die Aufklärung und Zielerfassung ebenso wie die integrierte Luftverteidigung und der strategische Lufttransport.
Glaubwürdigkeit der Abschreckung leidet
Die Zeit für die notwendige Aufrüstung schätzt Puglierin auf mindestens fünf Jahre. Für anspruchsvollere Bereiche wie Satellitentechnik können es auch zehn Jahre oder länger werden. „Europa muss sich allein verteidigen können“, betont sie und schließt die Rolle einer „Schutzmacht“ als minderwertige Alternative aus. Die Ära der NATO, wie sie unter früheren US-Präsidenten bestand, sieht sie unwiederbringlich verloren. „Wir haben jetzt natürlich ein massives Problem mit der Glaubwürdigkeit der Abschreckung“, erklärte Puglierin die Folgen der US-Politik.
Atomare Optionen im Fokus
Besonders die Reaktion Europas auf eine mögliche Schwächung des US-atomaren Schutzschirms sei die schwierigste Frage. Eine eigene EU-Atombombe sei aus zahlreichen Gründen keine praktikable Lösung. Stattdessen müsse mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien ein pragmatischer Weg gefunden werden, um deren Beitrag zur gesamteuropäischen Abschreckung zu stärken.






