Dramatischer Abend

TV-Tipp für heute „Der neue Freund“: Wenn Nähe zur Zerreißprobe wird – Drama im FilmMittwoch im Ersten

Paar tanzt in modernem Wohnzimmer mit Holzstapel im Hintergrund.
Foto: © SWR/Hager Moss Film/Chrsitian Schulz

Am Mittwoch, 28. Januar 2026, zeigt das Erste um 20:15 Uhr im Rahmen des FilmMittwoch im Ersten den Fernsehfilm „Der neue Freund“. Das psychologisch fein gezeichnete Drama rückt eine Mutter-Tochter-Beziehung in den Mittelpunkt, die lange von Distanz, unausgesprochenen Vorwürfen und alten Verletzungen geprägt war – bis ein neuer Mann die fragile Balance endgültig kippen lässt.

Eine Begegnung, die alles verändert

Henriette lebt nach dem Tod ihres Mannes allein. Als sie ihre Tochter Johanna zu einem gemeinsamen Wochenende einlädt, scheint dies zunächst ein vorsichtiger Versuch der Annäherung zu sein. Doch die Harmonie hält nur kurz. Statt eines ruhigen Wiedersehens präsentiert Henriette stolz ihren neuen Partner Philipp – einen Mann, der nicht nur überraschend jung wirkt, sondern tatsächlich 25 Jahre jünger ist als sie selbst.

Henriette (Corinna Harfouch, li.) hat ihre Tochter Johanna (Karin Hanczewski) eingeladen. Dabei aber nicht erwähnt, dass sie ihr ihre neue Liebe Philipp (Louis Nitsche, Mi.) vorstellen will.

Henriette (Corinna Harfouch, li.) hat ihre Tochter Johanna (Karin Hanczewski) eingeladen. Dabei aber nicht erwähnt, dass sie ihr ihre neue Liebe Philipp (Louis Nitsche, Mi.) vorstellen will.

Foto: © SWR/Hager Moss Film/Chrsitian Schulz

Für Johanna ist diese Begegnung ein Schock. Sie fühlt sich überrumpelt, ausgeschlossen und in ihrer Rolle als Tochter plötzlich infrage gestellt. Während Henriette ihre neue Beziehung selbstbewusst verteidigt, wächst bei Johanna der Verdacht, Philipp könne eigennützige Motive verfolgen. Für sie steht schnell fest: Dieser Mann ist ein Heiratsschwindler, der es auf das Vermögen ihrer Mutter abgesehen hat.

Eskalation hinter verschlossenen Türen

Das Wochenende entwickelt sich zu einem emotionalen Minenfeld. Zwischen feinen Spitzen, verletzenden Bemerkungen und gezielt platzierten Untertönen entlädt sich jahrelang aufgestauter Konflikt. Mutter und Tochter beherrschen die Kunst der verbalen Nadelstiche perfekt. Philipp gerät zwischen die Fronten und versucht, zu vermitteln – doch jede Geste scheint das Misstrauen nur weiter zu verstärken.

Mit zunehmender Dauer des Aufenthalts wird deutlich, dass es Johanna nicht nur um Sorge geht. Ihre Einmischung nimmt obsessive Züge an, und die Grenze zwischen Fürsorge, Kontrolle und Eifersucht verschwimmt. Die zentrale Frage des Films drängt sich immer stärker auf: Kämpft Johanna wirklich für das Wohl ihrer Mutter – oder gegen den Verlust ihrer eigenen Bedeutung?

Johanna (Karin Hanczewski) hat eine Mission und da ist es ihr egal, wessen Gefühle sie mit ihren Offenbarungen verletzt.

Johanna (Karin Hanczewski) hat eine Mission und da ist es ihr egal, wessen Gefühle sie mit ihren Offenbarungen verletzt.

Foto: © SWR/Hager Moss Film/Chrsitian Schulz

Starke Darsteller, konzentrierte Inszenierung

„Der neue Freund“ lebt von seinem reduzierten Ensemble und der intensiven schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellenden:

  • Corinna Harfouch als Henriette, souverän, verletzlich und entschlossen
  • Karin Hanczewski als Johanna, kontrolliert, angespannt und innerlich zerrissen
  • Louis Nitsche als Philipp, bewusst ambivalent zwischen Charme und Unsicherheit

Regisseur Dustin Loose setzt das Drehbuch von Frédéric Hambalek als dichtes Kammerspiel um. Der Fokus liegt klar auf Dialogen, Blicken und Stimmungen, nicht auf äußeren Konflikten oder großen Schauplätzen. Gedreht wurde im November und Dezember 2022 in Berlin.

Leises Drama mit scharfen Kanten

„Der neue Freund“ ist kein Film der großen Gesten, sondern einer der kleinen, präzisen Verletzungen. Die Handlung konzentriert sich konsequent auf drei Figuren und gewinnt genau daraus ihre Intensität. Was zunächst wie ein ruhiges Familientreffen wirkt, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem psychologischen Machtspiel, in dem jedes Wort, jeder Blick Bedeutung bekommt.

Die Inszenierung setzt auf Zurückhaltung. Lange Dialogpassagen, bewusst gesetzte Pausen und eine reduzierte Bildsprache schaffen eine dichte Atmosphäre, die den emotionalen Druck zwischen Mutter, Tochter und dem neuen Partner spürbar macht. Dabei erlaubt sich der Film kaum Ablenkungen – jede Szene dient der Eskalation des Konflikts.

Stark ist vor allem das Schauspiel. Corinna Harfouch verleiht ihrer Figur eine Mischung aus Selbstsicherheit und Verletzlichkeit, während Karin Hanczewski die innere Zerrissenheit der Tochter glaubwürdig transportiert. Louis Nitsche fungiert als ruhender Pol, ohne je eindimensional zu wirken.

Nicht jede dramaturgische Wendung entfaltet die gleiche Überzeugungskraft, und das Erzähltempo verliert stellenweise an Spannung. Dennoch überzeugt „Der neue Freund“ als fein beobachtetes Beziehungsdrama, das ein gesellschaftlich sensibles Thema ernst nimmt und gerade durch seine Zurückhaltung nachwirkt.

Sendetermine und Mediathek

Der Fernsehfilm feierte seine Premiere im Oktober 2023 und wird nun erneut ausgestrahlt:

  • Mittwoch, 28. Januar 2026, 20:15 Uhr – Das Erste
  • Mittwoch, 28. Januar 2026, 23:45 Uhr – Wiederholung

Nach der Ausstrahlung ist „Der neue Freund“ voraussichtlich auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

Publikumserfolg bei der Premiere

Bei der Erstausstrahlung am 25. Oktober 2023 im Ersten erreichte Der neue Freund ein breites Publikum. 4,29 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer schalteten ein, was einem Marktanteil von 16,7 Prozent entsprach. Damit zählte der Fernsehfilm zu den erfolgreicheren Ausgaben des FilmMittwochs und bestätigte das große Interesse an dem emotionalen Beziehungsdrama.

Fazit

„Der neue Freund“ ist ein stilles, aber intensives Drama über Autonomie, emotionale Abhängigkeiten und die schwierige Frage, wann Sorge in Kontrolle umschlägt. Der Film verzichtet auf klare Schuldzuweisungen und zwingt das Publikum, sich selbst zu positionieren – genau darin liegt seine Stärke.